Lange Menschen liebt man nicht. Sie sind nicht mit einem Blick zu erfassen. Fängt man an, sie zu streicheln, ist man beim Nabel schon müde. Mit ihnen kann man nicht fürsorglich umgehen, denn sie zeigen so gar nichts Kindliches. Also schimpft man sie langer Lulatsch, langes Luder oder Bohnenstange.Weil auch Betten- und Türhersteller die Langen nicht lieben, hängen die Füße dieser Menschen nachts über den Bettenrand. Ihre Schädel aber sind vernarbt.

Ähnlich verhält es sich mit langen Autos. Der 300c Touring ist mit 5,015 Meter so lang wie zwei lange Menschen plus einem Kind. Man sieht ihn zum ersten Mal und findet ihn zum Fürchten, zum Spotten, zum Zerkratzen – lieben kann man ihn nicht. Der Bug ist ein Wall, die Räder sind vom Lastwagen geklaut, die Motorhaube dehnt sich wie ein Tennisplatz. Die Fachzeitschrift auto motor und sport fand, der US-Import wirke auf deutschen Straßen "wie John Wayne beim Töpferkurs.

Und drinnen? Im müffelnden Leder versunken, ahnt man wohl, dass vorn und hinten irgendwo Schluss sein muss, nur wo? Ganz einfach: Vorn ist Schluss, wenn es rumst, und hinten, wenn die Einparkhilfe piepst. Die drei zentralen Fragen bei diesem Auto sind: Komme ich rum? Passe ich rein? Wie viel stehe ich über? Denn deutsche Parkplatzmarkierer, Parkhausentwerfer und Garagenarchitekten lieben keine langen Autos. Immerhin darf man deswegen den 300c Touring ein Ökomobil nennen: Wer einmal eine hinreichend große Lücke gefunden hat, wird die Kiste nicht mehr bewegen.

In den Papieren steht als Hersteller noch DaimlerChrysler. Der 300c ist ein Symbol für die gescheiterte deutsch-amerikanische Fusion. Wenn Japaner den europäischen Markt aufrollen wollen, bauen sie ein europäisches Auto. Ein Ami in Europa dagegen wird immer ein Durcheinander wie mixed salad . Länge und Protz und Wucht und Wumm aus Amiland, Motor und Getriebe und Lenkung und Elektronik aus Deutschland. Ein Kombi, weil die Alte Welt Kombi will, ein Lenkrad aus Holzimitat, weil Amerikaner nur mit Holzimitat glücklich zu machen sind. Ein sparsamer Dieselmotor, weil der europäische Markt ein Dieselmarkt ist. Dafür Zugluft im Inneren, egal, wie man die Lüftung programmiert, weil es beim Ami immer zieht.

Außen Ami, innen brav. Das Chrysler-Marketing bietet uns folgenden Tiefsinn an: Der 300c Touring sei weniger ein Auto als ein Statement. Aber welche Behauptung soll das sein? Egal, Hauptsache, sie wirkt. Und siehe: Die linke Spur leert sich, wenn der Chrysler kommt. In der Alten Welt übersetzt die Fachpresse "Statement meist mit dem schönen Wort "Überholprestige. Stetig und bräsig und komme, was wolle, pflügen die zwei Tonnen übern Highway. Ob Sturzregen stürzt oder Kleinwagen kreuzen, ob Wild sich erdreistet oder ein Trucker pennt, ob im Saloon geschossen wird oder sich aus dem Kirchturm eine Rifle schiebt – der Chrysler geht seinen Weg.

Lange Menschen sind – genau wie lange Autos – im tiefsten Inneren friedliebend. Nur ganz selten rutscht ihnen etwas Gemeines heraus. Ein fieses kleines Lachen zum Beispiel, wenn sie links unten am Fahrersitz ein Knöpfchen finden. Drückt man drauf, kommen dem Fahrer, elektrisch geschoben, Brems- und Gaspedal entgegen. "Der Kleinbeinknopf!", kichern die Langen. Und schieben eine CD ein. John Mayall: Room to move .

Technische Daten
Motorbauart: Dieselmotor, 6 Zylinder
Leistung: 160 kW (218 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 227 km/h
CO²-Emission: 220 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,3 Liter
Basispreis: 41.050 Euro