Ein bisschen Neid klingt schon mit, wenn Bernd Thunemeyer über seine Kollegen in Stanford spricht: 4,3 Milliarden US-Dollar an Spenden wollten sie für die US-Universität einwerben. »Als ich im Frühling dort war, hatten sie 3 Milliarden bereits beisammen«, sagt Thunemeyer, der für die Universität Essen-Duisburg um Spenden wirbt. US-amerikanische Unis leben von einer aktiven Stiftungs- und Spendenkultur, die von den wohlhabenden 20 Prozent der Gesellschaft getragen wird.

Auch in Deutschland konnten einzelne Hochschulen in den vergangenen Monaten spektakuläre Geldgeschenke melden: Der Logistikkonzern Kühne+Nagel spendet der TU Hamburg-Harburg 30 Millionen, die Uni Frankfurt am Main bekommt aus dem Nachlass eines Bankierpaares 33 Millionen Euro. In Bremen investiert die Kaffeeröster-Dynastie Jacobs 200 Millionen in die private International University, die nun Jacobs University Bremen heißt.

Bernd Thunemeyer versucht es erst einmal ein paar Nummern kleiner. Er baut an der Uni Essen-Duisburg eine Stiftung auf, die ein Startkapital von einer Million Euro haben wird. Das Besondere daran: Das Geld kommt von den Studenten selbst und nicht von einem privaten Spender – denn es ist ein Teil der Studiengebühren. Am 19. Juli unterzeichneten die Universität Essen-Duisburg und die Fachhochschule Münster zusammen mit dem Stifterverband der deutschen Wirtschaft eine Urkunde, mit der dieses Modell ins Leben gerufen wurde. Sie starten damit ein Experiment, das in Deutschland einzigartig ist.

Das Gebührengeld fließt nicht in Lehre und Ausstattung der Hochschule, sondern wird in Form der Stiftung angelegt. Per Gesetz hat das Land Nordrhein-Westfalen festgeschrieben, dass dieser Anteil 20 Prozent der gesamten Gebühren der Hochschule nicht überschreiten darf. Die Zinsen aus der Anlage kann die Stiftung ausgeben. »Bei einer Million Startkapital rechnen wir damit, dass wir mit ungefähr 40000 Euro ab Ende nächsten Jahres fördern können«, sagt Bernd Thunemeyer. Im zweiten Jahr kommt die zweite Million, im dritten die dritte und im gleichen Maßstab wachsen auch die Zinserträge und damit das Geld, das zur Verfügung steht.

Die Universität Essen-Duisburg will aus dem Topf neue Methoden in der Lehre fördern, wie zum Beispiel Onlinetutorien. Die Fachhochschule Münster will Stipendien für besondere Leistungen ausschreiben und zudem Ausländern ein Studium in Deutschland ermöglichen. Außerdem sollen Studenten unterstützt werden, die sich sonst kein Studium leisten könnten.

»Wir holen so das nach, woran die Politik nicht gedacht hat«, sagt Klaus Niederdrenk, Rektor der Fachhochschule Münster. »Mir wäre ein staatliches Programm zur Gebührenabfederung lieber.« Die Stiftung versteht er als Notlösung, »es ist das, was wir als Hochschule tun können«.

»Notlösung« würde Evelin Manteuffel vom Stifterverband der deutschen Wirtschaft sicher nicht gerne hören. Ihre Organisation hat das Stiftungsmodell mit den Hochschulen erarbeitet und wird die Einlagen verwalten. Wenn sie darüber spricht, klingt das Projekt eher nach einem weiteren Programm zur Exzellenzförderung: »Durch die Stiftung können wir langfristige und herausragende Projekte in der Lehre auszeichnen und sind nicht durch Quoten und Fakultätsproporz behindert«, sagt sie.