Christiane Möbus steht schon in der Tür, ihr Blick streift die Tankstelle und die Göttinger Chaussee dahinter, ihr Hannover. Sie trägt erdige Farben, modisch geringelt, und am Handgelenk gleich zwei Armbanduhren. Vom Parkplatz im Hof sind es nur wenige Schritte zu ihr, ein Lächeln, Guten Tag, und dann gehen wir gleich mitten in die Dinge.

Unter der Decke der Fabrikhalle hängen Ruderboote, gut vertäut, über den Ästen, den Zweigen im Raum, über den mannsgroßen Stahlschalen am Boden. Wir bahnen uns einen Weg durch das Durcheinander zum aufrecht erstarrten Braunbären hin, der seine ihn gegen Staub schützende Folie trägt wie ein Mönch die Kutte. Ein Zebra auf Rollen, ein Kaffernbüffel, teergedeckte Vogelhäuschen, Hula-Hoop-Reifen, Landkarten der preußischen Verwaltung, welch unvergleichliches Sammelsurium!

Wir verharren vor einigen Sesseln, deren Bezug lose herabhängt.

Thonet, sagt sie, Designerware aus den frühen Neunzigern. Sie sind bezahlt. Ich wollte sie unfertig haben. Das kostete im Werk einige Überredung. Vor vielen Jahren hatten sie Teil einer Arbeit werden sollen - das Projekt zerschlug sich, so warten die teuren Möbel bis heute auf ihren Einsatz.

Zehn Jahre von der Idee bis zur Ausstellung hat die Lkw-Zugmaschine gebraucht, die eine Wolke aus Tüll hinter sich herzieht: Schneewittchen heißt dieses Werk. Im Mai ist es in Nürnberg zu sehen gewesen. Eine Verblüffungsästhetik hat eine Kritikerin der Frankfurter Allgemeinen Möbus Skulpturen attestiert. Verblüffend sind auch die vier Achter in Schwarz, Rot, Gelb und Blau, die im Jakob-Kaiser-Haus des Deutschen Bundestages schweben: nahe der Spree, in den Lüften sich nur auf- und ab-, nie fortbewegend.

Christiane Möbus hat alles für einen Kaffee vorbereitet, bloß die Filter vergessen. In so einem Fall nimmt man die Thermoskanne und geht zu Esso, einmal über den Hof. Wie praktisch, ein Atelier an der Zapfsäule, rund um die Uhr versorgt!

Atelier, nein, sie schüttelt den Kopf. So würde sie dieses Lager, es gibt mehrere, nicht nennen. Wir suchen nach einer Bezeichnung und einigen uns auf Notizenspeicher. Der enthält Nochnichtfertiges und Schongezeigtes, von der objekthaften Skizze bis hin zum ausgereiften Werk.