Vor Pia Beckmann liegt ein heikler Termin: Einweihung eines Begegnungs- und Beratungszentrums für Muslime, des ersten in Bayern. Was sagt man da als CSU-Frau, ohne anzuecken? Also schreibt die Oberbürgermeisterin die vorbereitete Rede noch einmal schnell um, alles Brisante fliegt raus.

Doch die Veranstaltung verläuft entspannt. Ein paar Dutzend Honoratioren, Immigrantenvertreter und Ausländerberater haben sich im Treppenhaus des ehemaligen Mozart-Gymnasiums versammelt, das die Stadt für das Zentrum zur Verfügung gestellt hat. Zwei junge muslimische Frauen mit elegantem Kopftuch preisen den christlich-islamischen Dialog. Pia Beckmann im rosa Kostüm spricht von der Integration als »Prozess, auf den sich alle gemeinsam einlassen müssen«, und von den strukturellen Benachteiligungen der Immigranten. Vor allem aber spricht sie von den »vielfältigen Problemen« der Musliminnen. Als »Frauen und Mütter« müssten gerade sie »gestärkt und ermutigt werden, sich zu zeigen«.

Es könnte ihr eigenes Motto sein. Denn die 44-jährige blonde, sportliche Frau, Mutter von vier Kindern, steht seit fünf Jahren selbstbewusst an der Spitze der traditionsreichen fränkischen Stadt. Sie hat als erste CSU-Politikerin überhaupt nach langen Jahren der Opposition und vor allem der Männerherrschaft die Stadtführung übernommen – und das als politische Quereinsteigerin.

Beckmann verkörpert einen neuen Typus von Unionspolitikerinnen: jung, gut aussehend, zupackend, unideologisch; wertkonservativ, aber modern; familienorientiert, aber emanzipiert – eine Ursula von der Leyen aus der Provinz. Und wie bei der Bundesfamilienministerin war auch bei ihr keineswegs vorbestimmt, dass sie in die Politik gehen würde. Aber vielleicht war es doch auch mehr als ein Zufall. Vielleicht waren gerade ihre vier Kinder schuld daran.

Stark christlich geprägt, hatte sich Pia Beckmann schon während des Studiums engagiert, als Studentenvertreterin und als Vorsitzende eines studentischen Sozialhilfevereins. Nach dem Examen übernahm ihr Mann das Geldverdienen, »weil er zuerst fertig war«, wie sie betont. Sie widmete sich den Kindern, arbeitete nebenbei an der Uni und promovierte in Linguistik. Weil aber Haushalt und Kinder sie nicht auslasteten, übernahm sie schon bald den Vorsitz im katholischen Familienbund der Region und entwickelte ein alternatives Projekt für familienfreundliches Bauen und Wohnen: eine Siedlung mit platzsparenden, günstigen Häusern, mit Erdwärme- und Solarenergie, Fahr- und Einkaufsgemeinschaften. Ein schwarz-grünes Familienbiotop. Die überregionale Presse berichtete, Würzburger CSU-Leute wurden auf Beckmann aufmerksam und fragten, ob sie für den Stadtrat kandidieren wolle.

Dabei war sie zwar in der Jungen Union, jedoch nicht in der Partei. Pia Beckmann, mit dem vierten Kind schwanger, überlegte: »Wird das gehen?« Aber dann sagte sie doch zu, kämpfte (»wenn ich etwas mache, dann richtig«) und wurde zu ihrer eigenen Überraschung tatsächlich gewählt.

Nach wenigen Jahren im Rat trug man ihr die Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt an. Wohl auch deshalb, weil sich die CSU kaum Chancen ausrechnete.