Der weltweit größte Tresor speziell für Samen und Zellgut von Nutzpflanzen entsteht derzeit in Longyearbyen auf Spitzbergen. Tief im permanent gefrorenen Fels der arktischen Insel, die nur etwa tausend Kilometer vom Nordpol entfernt liegt, soll Saatgut aus aller Welt sicher lagern, geschützt vor Naturkatastrophen, Epidemien oder gar einem Atomkrieg.

Die gern als »Arche Noah« bezeichnete Lagerstätte wird von der norwegischen Regierung errichtet in Kooperation mit dem Global Crop Diversity Trust, einer UN-nahen Stiftung, die von der deutschen Bundesregierung jährlich 1,5 Millionen Euro erhält. Beteiligt ist auch die Bill & Melinda Gates Foundation, die dem Projekt 37,5 Millionen Dollar zuführt. Hauptziel der Initiative ist eine möglichst vollständige Erhaltung der 21 wichtigsten Nutzpflanzenarten wie Reis, Mais, Weizen, Kartoffeln, Äpfel, Maniok, Wasserbrotwurzel oder Kokosnuss und deren riesiger Sortenvielfalt. Vorrangig werden seltene Kultursorten gebunkert, die für Landwirte in Entwicklungsländern von Bedeutung sind. Der Tresor soll mehrere Millionen Saatgutproben fassen.

Die Anlage dürfte im nächsten Jahr fertig sein. Angesichts der 1400 Genbanken für Nutzpflanzen weltweit stellt sich jedoch die Frage nach dem Sinn des teuren Tresors auf Spitzbergen. Dort werden Samen nicht gepflegt, nur treuhänderisch aufbewahrt. Das geht auch einfacher: Will eine Genbank wertvolles Gut besonders schützen, dann verschickt sie Duplikate an Partner-Genbanken. Dieser bewährte Samenaustausch entschärft lokale Zerstörungen, etwa durch Brand oder Krieg. Ein globales Netzwerk wäre ebenfalls sicher – und könnte arme Genbanken unterstützen. wüs