Es ist eine dieser Forderungen, die nichts kosten und doch ein Rascheln im Blätterwald garantieren. SPD-Fraktionschef Peter Struck hat verlangt, das Bafög nicht wie geplant um fünf, sondern um zehn Prozent zu erhöhen.

Das klingt großzügig, gegen Mehrausgaben für Bildung hat ohnehin nie jemand etwas, und die Angst davor, für seinen Vorschlag geradestehen zu müssen, kann sich Struck sparen. Schließlich haben seine Partei und sein Finanzminister längst festgeklopft, dass es nur fünf Prozent geben wird – gemeinsam mit der CDU von Bildungsministerin Schavan übrigens. Entsprechend ungehalten reagiert Schavan auf Strucks Manöver, bei dem ihr die Rolle der Bremserin zugedacht ist.

Solch altbekannten parteipolitischen, gelegentlich ins Populistische abgleitenden Spielchen lenken ab von der eigentlichen Misere der deutschen Bildungsfinanzierung: der enormen Zinsbelastung derjenigen Studenten, die einen Studienkredit aufgenommen haben, etwa bei der staatlichen KfW-Bankengruppe, um ihren Abschluss finanzieren zu können.

Was Schavan gerne als sozial ausgewogen preist, ist ein Paradebeispiel für staatliches Desinteresse: Die Kredite werden mit keinem Euro bezuschusst, sie müssen sich selbst tragen. Kann ein Student nicht zurückzahlen, müssen seine Kommilitonen dafür geradestehen – über die Höhe des Zinssatzes. Angesichts der manchmal jahrzehntelangen Laufzeiten summieren sich die fälligen Zinszahlungen so unter Umständen auf das Zwei- oder Dreifache der ursprünglichen Kreditsumme.

Wollte er wirklich etwas bewegen, sollte sich Struck dieses Themas annehmen, statt über ein paar Prozent mehr oder weniger Bafög-Erhöhung zu streiten. In Australien etwa übernimmt der Staat Bürgschaft und Zinsen, die Studenten zahlen nur einen Inflationsausgleich. Das ist sozial, kostet aber auch richtig Geld – Milliarden, langfristig gesehen.

Eine Erhöhung des Bafögs um fünf Prozent schlägt hingegen nur mit rund 300 Millionen Euro zu Buche. Das wissen auch Schavan, Struck und Co. Und streiten sich dann doch lieber noch eine Runde übers Bafög.