Sieht so eine weiche Landung aus? Es ruckelt und knallt, das Flugpersonal gerät in Panik, und der Kapitän muss die taumelnde Maschine mehrfach mit gewagten Manövern abfangen. Jeder Flugpassagier wäre entsetzt. Nur im Weltfinanzsystem gelten solche Turbulenzen allen Ernstes als "soft landing".

In den USA krachen die Hypotheken zusammen, die Banken diesseits und jenseits des Atlantiks reagieren panisch – und die Zentralbanken retten die Finanzwelt in letzter Minute vor dem Kollaps. Ein paar schaurige Tage im August: Ist damit schon die Weltfinanzkrise überstanden, vor der Pessimisten seit Jahren gewarnt haben?

Das wäre zu schön. Einige Häuslebauer in den USA verlieren zwar ihre Habe, aber wir alle bleiben ungeschoren. Leider ist das Flugzeug noch nicht am Boden. Und so war das wohl nicht die letzte Krise, sondern das erste in einer Reihe von Schreckerlebnissen.

Man muss sich nur einmal anschauen, mit welch rasender Geschwindigkeit sich ein Hypothekenproblem in den USA in eine globale Krise verwandeln kann, um zu ahnen: Es kann uns wieder erwischen, und dann schlimmer. Immerhin wuchs das Misstrauen schon jetzt so weit, dass sich die Banken schließlich gegenseitig kein Geld mehr liehen. In dieser Situation war es goldrichtig, dass die Zentralbanken einschritten und viele Milliarden Euro in den Markt pumpten. Doch oft können sie das nicht machen, weil sie Finanzhasardeuren damit das Falsche signalisieren: Wenn es brenzlig wird, eilen wir zu Hilfe.

Auf dem Kapitalmarkt ist es heute wie im Klimawandel: Gerät irgendwo auf der Welt Dreck in die Atmosphäre, bekommen es alle zu spüren. In dem Fall beginnt die Wirkungskette bei Banken in den USA. Sie leihen Millionen mittelloser Bürger das Geld für den Hauskauf. Dann bündeln sie die schlechten mit besseren Krediten und verkaufen sie an andere Banken in aller Welt. Selbst die mächtigen Rating-Agenturen vergeben gute Noten, und alle vergessen, dass in den hübschen Paketen kleine Sprengsätze stecken. Es geht ja auch alles gut – aber nur, solange in den USA die Häuserpreise nicht fallen.

Auf einmal hängt dann die Welt mit drin. Experten rühmen das Weitergeben der Kredite, weil auf diese Weise die Risiken weit verstreut werden: Wenn es knallt, trifft es nicht eine Bank ganz, sondern viele ein bisschen. Bloß verführt das System die Banken dazu, in guten Zeiten noch leichtfertiger als früher Geld zu verleihen.

Und tatsächlich: Das Hypothekenspiel hatte alle Kennzeichen einer übertriebenen Spekulation. Die Häuserpreise in den Vereinigten Staaten stiegen, als gäbe es kein Ende. Junge Banker hatten ein neues Instrument erfunden: die Kreditpakete. Und bald wollte kaum noch jemand diese todsichere Anlage missen. Der im Jahr 2006 verstorbene Harvard-Ökonom John Kenneth Galbraith hat solche heißen Phasen treffend beschrieben: "Der Optimismus, der die Geldgeber zu den Märkten lockt, lässt die Preise steigen und rechtfertigt dadurch zunächst alle Erwartungen. Das geht so weiter, bis kein Optimismus mehr da ist, dann reicht schon ein kleiner Zwischenfall, und die Blase platzt."