Werbung lügt nicht. Jedenfalls nicht immer. Die für Toyota zum Beispiel. Es geht um diesen Kerl im Fernsehen, der richtig cool sein und den neuen Auris in einen Abgrund brettern soll. Wie weiland James Dean in …denn sie wissen nicht, was sie tun: mit Vollgas auf den Canyon zu und sich kurz vor der Panik aus dem Auto in den Staub schmeißen. Was böse Jungs so machen, wenn sie Langeweile haben. Doch der Toyota-Typ überlegt es sich im letzten Moment anders, dreht bei und rettet sich und den Wagen.

Ich hätte das genauso gemacht, weil ich jedes Auto lieber fahre, als es zu schrotten. Na ja, fast jedes. Eines hätte ich am liebsten mal in einen See geschoben, doch darum geht es hier nicht. Hier geht es darum, dass Toyota mit einem seiner Autos selbst einen heftig spätpubertären Jungen zur Vernunft bringt. Dabei will Autowerbung sonst genau das Gegenteil – regelmäßig werden dort erwachsene Männer zu Opfern ihrer Hormone. Doch beim Auris haben sie gar nicht erst versucht, ihm ein Macker-Image zu verpassen.

Hätte auch kaum geklappt, denn der Auris ist geradezu der Inbegriff von Vernunft – viel Platz, wenig Verbrauch, Diesel, Partikelfilter, gute Sicht, riesige Außenspiegel. Innen und außen alles rund und glatt; keine Ecken, keine Sicken, keine Extravaganzen. Selbst was auf den ersten Blick wie Spielerei erscheint, ist eigentlich praktisch. Der Startknopf beispielsweise. Klar, dachte ich erst, will ein Rennwagen sein. Nö, will er nicht. Soll lediglich problemlos anspringen, ohne dass man im Schatten des Lenkrads rumstochern und ein Zündschloss finden muss. Oder dass es genügt, den Schlüssel irgendwo dabeizuhaben, um die Tür aufzubekommen. Hingehen, aufmachen, einsteigen. Kein hektisches Abklopfen der Jacke mehr, kein Buddeln in der Handtasche, der Auris weiß von allein, wer mit ihm davonfahren darf.

Sehr nett das alles. Aber auch ein bisschen langweilig, wie Laminat, pflegeleicht und abwaschbar. Eben ein prima Gefährt für all jene, die erwarten, damit von A nach B zu kommen. Und die sich dabei auch noch Gedanken über ihren Jahres-Stickoxid-Ausstoß machen wollen. Was für kühle Rechner also. Wer so einen Wagen fährt, geht bestimmt zweimal im Jahr zur Zahnprophylaxe, raucht nicht und schmeißt keine Kondome ins Klo. Wer jedoch etwas sucht, um seine Nachbarn zu beeindrucken, liegt mit ihm falsch.