Mitten in die wolkenlose Sommeridylle traf dieser Tage das Land ein Schicksalsschlag, von dem es sich wohl lange nicht mehr erholen wird. Peter Westenthaler, der Chevalier der österreichischen Innenpolitik, erwog seinen Rückzug. Allein die Ankündigung löste tiefe Betroffenheit aus. Der BZÖ-Chef, in der Sache stets hart, in den Worten aber wohl geschliffen – der Inbegriff der feinen Klinge quasi –, bat zwar um Bedenkzeit, doch das Schlimmste muss vermutet werden. Seine beinharte Kritik an der politischen Klasse in Österreich: "Die Politik ist in der untersten Niveaulosigkeit angelangt, in der Image-Gosse." Das trifft den Nerv, und niemand ist in dieser Frage berufener als er. Westenthaler, der seinen Weg als Handyhalter Haiders begann und bis ganz hinauf zu Wirtshausraufereien unbeirrt fortsetzte, sparte aber zum Abschluss auch nicht mit konstruktiven Vorschlägen. Ein Kärntner solle künftig das BZÖ führen, das er in einer Rolle ähnlich der bayerischen CSU sehe. Der Vergleich lässt aufhorchen, ging es bei den Orangen bislang doch eher selten christlich zu. Überdies scheint es dem Vordenker entgangen zu sein, dass es seiner Expartei an einer dazugehörigen Schwesterpartei à la CDU fehlen wird. Der Kärntner Stoiber hingegen tauchte, ähnlich dem Ungeheuer von Loch Ness, aus dem Sommerloch auf und deutete an, diesen Gedanken einiges abgewinnen zu können. Die dadurch entstehende Regionalpartei würde Kärnten aufwerten, und das Wiener Parlament wäre auf einmal zweisprachig. Alle Gesetzesentwürfe müssten fürderhin auch ins Kärntnerische übertragen werden. So hätte letztendlich der traurige Abgang Westenthalers doch noch sein Gutes.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben