Als beim Dortmunder Sparkassen Chess Meeting in der Partie Leko (Ungarn)/Mamedjarow (Aserbajdschan) der letzte Zug des Turniers Turm e6-e5 geschehen war und die Akteure sich nach über sieben Stunden Spieldauer und 107 Zügen auf Remis einigten, zog Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe ein zufriedenes Fazit: "Es war wie beim Wein ein sehr guter, ausgereifter Jahrgang."

Da muss also auch der 16-jährige norwegische Wunderjüngling Magnus Carlsen, den die Washington Post als "Mozart des Schachs" bezeichnete und der nur gegen Weltmeister Wladimir Kramnik (Russland) den Kürzeren zog, zum ausgereiften Jahrgang beigetragen haben.

In jedem Fall trug die Mischung zwischen "jungen Wilden" und etablierten Stars zu einem außergewöhnlichen Turnier im nahezu immer ausverkauften Schauspielhaus bei. (Und täglich waren außerdem 50.000 Schachliebhaber live im Internet dabei.) Insofern kann man Kolbe, der letztes Jahr in Dortmund auch für die Fußball-WM verantwortlich war, nur recht geben, wenn er sagte, dass in dieser Stadt Schach nur vom "Gesamtkunstwerk BVB" übertroffen werde.

Zum 35. Mal fand dieses Traditionsturnier schon statt, bereits zum achten Mal gewann Kramnik sein Lieblingsturnier, obwohl ihn noch einige Tage vorher eine hochfieberhafte Angina geplagt hatte, derentwegen er sogar ein Treffen mit Putin hatte verschieben müssen.

Sehen Sie, mit welch feiner Kombination er als Weißer am Zug trotz des Läufers weniger gegen den Lokalmatador und Deutschlands Nummer eins, Arkadi Naiditsch, in entscheidenden Vorteil kam, wobei das fehlende Luftloch des schwarzen Königs eine entscheidende Rolle spielte?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 33:
Nach 1.Sg5+! Kg8 (1…Kh8 2.Th6+ hätte den Gewinn nur um einen Zug verzögert) 2.Tg6+ Kf8 3.Sh7+! (besser als 3.Se6+ Kf7 4.Txg4 Kf6, und Schwarz kann noch strampeln) Kf7 4.Txg4 gab Schwarz auf – gegen 5.f6 nebst 6.Tg7+ etc. ist nichts zu erfinden (4…Th3 5.Sg5+! mit Turmgewinn)