ich komme barfuß, balthus.

ich komme barfuß, denn ich will dich begreifen. und ich komme auch wegen thérèse. thérèse, immer wieder thérèse.

thérèse träumend. sie schließt die augen, um besser von dir zu träumen. aber auch um ihr schamgefühl zu verbergen, während ihre offenen beine alle blicke zu sich rufen. derweil stillt die katze ihren durst. du läßt das tier zugleich milch und thérèse genießen. und thérèse? als ob sie ahnt, wie ausgeliefert sie ist, schaut sie weg; das kind will die gefahr nicht sehen.

und dann portrait von thérèse. hier weiß sie nicht viel von sich; sie blickt geradewegs auf den maler. thérèse will verstanden sein, mit ihren nackten beinen. der selbstgefällige blick zeugt von vorhandenen träumen und der festigkeit des fleischs.

später noch ein akt mit katze. dieses tier ist wieder deine verbündete, um mehr nacktheit zu entlocken. hat sich thérèse gereinigt für dich? oder für das licht, das nun ihren körper heimsucht? sie ist jedenfalls geöffnet und strebt nach liebkosung, nach der katze.

im kölner museum ludwig werden 70 gemälde und zeichnungen ausgestellt; warum gibt es erst jetzt in deutschland eine einzelausstellung von dir? hier gab es doch keine ressentiments gegen dich. deine familie und du, ihr wart ja selbst deutsche staatsbürger und wurdet deswegen 1914 aus frankreich ausgewiesen. oder war es die prüderie des deutschen protestanten, der mit der gewagtheit deiner bilder nichts anfangen konnte. diese war mit jenem verdikt nicht vereinbar, das die sauberkeit mit schönheit verwechselt.