Für österreichische Verhältnisse plant Verteidigungsminister Norbert Darabos Ungeheuerliches. Er will "die Zahl jener Personen, die innerhalb der Heeresstruktur kein konkretes Aufgabengebiet haben, reduzieren". Der kühne Plan überrascht den militaristischen Laien. Bislang herrschte landläufig die Auffassung, dass in unserer Armee die zahlenmäßige Überlegenheit der Häuptlinge gegenüber den Indianern eine strategische Berechtigung besitze. Bange fragt man sich nun, ob dieser Schritt nicht einem der wichtigsten Truppenkörper in Europa einen unwiederbringlichen Imageverlust zufügen könnte. Nicht auszudenken auch, sollte dieses destruktive Manöver künftig auch auf andere zentrale Institutionen des Landes übergreifen. Den "nicht amtsführenden Stadtrat" in Wien beispielsweise, dessen Hauptaufgabe eben in der Nichtamtsführung liegt, könnte es als Nächstes treffen. Die Tragweite ist nicht abzuschätzen, geht es doch hier um wertvolles österreichisches Kulturgut: bezahlt zu werden, am besten aus öffentlichen Mitteln, für die Nichterfüllung einer Leistung. Arbeitslos, aber beschäftigt – zumindest mit berufsfremden Tätigkeiten. Das unterscheidet diese Nichtarbeitnehmer von den ordinären Arbeitslosen, die auf Kosten der Allgemeinheit in den Tag hineinleben und ihre Untätigkeit nicht zu tarnen brauchen. Die Postbeamtin aber, die ihre Nägel manikürt, die mittlere Führungsebene des ORF oder der Beamte vom Verkehrsamt, der versonnen Tetris spielt, würden so plötzlich von der Bildfläche verschwinden. Ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Identität wäre dadurch ausgelöscht. Wir hoffen, Zauberlehrling Darabos weiß, welche Geister er rief.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben