DIE ZEIT: Frau Ministerin, Sie ziehen beim Klimaschutz gerade an Bundesumweltminister Sigmar Gabriel vorbei. Warum so viel Ehrgeiz?

Tanja Gönner: Haushalte verbrauchen die meiste Energie zum Heizen. Deshalb hat unsere Landesregierung beschlossen, Bauherren zu verpflichten, künftig klimafreundliche Heizungen einzubauen. Als ich den Gesetzentwurf vorgestellt habe, habe ich gesagt, es gilt: Net schwätza, schaffa! Das würde ich mir auch von Sigmar Gabriel wünschen: Weniger Luft machen, mehr schaffen.

ZEIT: Was genau haben Sie vor?

Gönner: Alle Häuslebauer sind vom 1. April 2008 an verpflichtet, ein Fünftel der benötigten Wärme über erneuerbare Energien zu decken. Von 2010 an müssen auch Altbauten, deren Heizungen ausgetauscht werden, zehn Prozent der Wärme aus erneuerbaren Quellen beziehen.

ZEIT: Was kostet das den Bürger?

Gönner: Wir rechnen mit zusätzlichen Kosten von rund 5.000 Euro pro Anlage. Das hängt davon ab, ob der Bauherr eine solarthermische Heizung einbaut oder Holzpellets nutzt. Ob er Bioöl ins Heizöl mischt, sich ans Nahwärmenetz anschließt, eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage in sein Haus einbaut oder dieses besonders gut dämmen lässt.

ZEIT: Stehen schon Nachahmer bereit?

Gönner: Die Länderkollegen beobachten uns genau. Wenn das Gesetz Ende November im Landtag durch ist, werden sicher einige folgen.

ZEIT: Vor ein paar Jahren wäre es undenkbar gewesen, Bürger zum Klimaschutz zu verpflichten. Warum hat sich die Situation geändert?

Gönner: Ordnungsrecht durchzusetzen ist immer schwierig. Wir kombinieren es mit finanziellen Anreizen. Seit Anfang Juli läuft bereits ein Förderprogramm, das die Zinsen auf Modernisierungskredite bei der KfW nochmals verbilligt.

ZEIT: Das heißt in Euro?

Gönner: Nehmen wir an, der Bürger bekommt einen Kredit über 12.000 Euro. Dann spart er insgesamt 1250 Euro Zinsen. Und er spart über die gesamte Betriebszeit erheblich an Energiekosten.

ZEIT: Richtig neu ist das nicht. Der Bund fördert sogar mit einigen Milliarden Euro…

Gönner: …hat aber den Durchbruch nicht geschafft. Deshalb müssen wir ein Signal setzen. Wir werden beim Klimaschutz nicht auf Ordnungsrecht verzichten können. Es ist Aufgabe des Staates, dort lenkend einzugreifen, wo er es für richtig hält. Unser erster Aufschlag in Baden-Württemberg ist nicht überambitioniert. Aber wir können damit einen Riesenschritt machen.

ZEIT: Ausgerechnet Unionskollege Michael Glos will aber Ordnungsrecht im Bund verhindern.

Gönner: Auch die SPD ist sich nicht einig. Finanzminister Peer Steinbrück mauert bei dem Vorschlag seines Genossen Gabriel, der Bauherren bundesweit verpflichten will, künftig 15 Prozent des Bedarfs an Wärmeenergie ökologisch korrekt zu decken. Lassen Sie es mich so sagen: Ich bereite mit diesem Gesetz den Weg für den Bundesumweltminister, auch innerhalb der Union.

ZEIT: Gelten Sie zu Hause als Ökokommunistin?

Gönner:(lacht) Nein. Natürlich fällt mir keiner um den Hals. Sachlichen Protest gab es von der Vereinigung der Hauseigentümer, die sich um ihre Altbauten sorgten. Aber in der öffentlichen Anhörung haben wir sie davon überzeugt, dass auch dort der Pflichtanteil machbar ist. Über Neubauten gab es keine Diskussionen.