Wahrscheinlich spielt Ihr Freund auf Gruinard Island an – eine zwei Quadratkilometer große Insel vor der schottischen Küste. Dort wurden tatsächlich Versuche mit Milzbrandbakterien (Anthrax) gemacht, und zwar im Jahr 1942. Die Tests waren durchaus "erfolgreich": Die 80 Schafe, die man dem Erreger aussetzte, starben innerhalb weniger Tage. Zum Glück kam der biologische Kampfstoff im Zweiten Weltkrieg nicht mehr zum Einsatz.

Nach dem Krieg musste die britische Regierung dann feststellen, dass die Sporen der Milzbrandbakterien hartnäckiger waren, als man gedacht hatte; sie setzten sich im Boden fest. Die Insel blieb über 40 Jahre lang gesperrt (von der Landkarte wurde sie nicht getilgt), erst 1986 wurde sie dekontaminiert. Teile des Bodens wurden abgetragen, und man versprühte 280 Tonnen Formaldehyd, gelöst in Seewasser. Testschafe, die man auf der Insel grasen ließ, zeigten keine Symptome, und 1990 erklärte der damalige Verteidigungsminister Michael Neubert Gruinard Island wieder für bewohnbar. Ob man seinen Urlaub auf der ehemaligen Milzbrandinsel verbringen will, kann jeder für sich entscheiden. Christoph Drösser

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