Kompaktklasseautos sehen immer gleich aus: heruntergezogene Motorhaube, schräges Heck, dazwischen möglichst viele aerodynamische Rundungen. Mut zu Experimenten gibt es in diesem heiß umkämpften Marktsegment wenig. Der Durchschnittskunde verlangt keine Sitzheizung, sondern ein übersichtliches Cockpit, er leistet sich keine großen Emotionen, sondern Zuverlässigkeit, nicht teuren Schnickschnack, sondern günstiges Einheitsdesign – und das bekommt er auch.

Der koreanische Autobauer Kia, der mit seinem neuen Modell die Kompaktklasse aufmischen will, macht da keine Ausnahme. Das Gefährt sieht schön normal aus, 122 PS sorgen für einen Verbrauch von durchschnittlich sechseinhalb Litern. Bei Vollgas können es schon mal klimakillende zwölf werden – auch das ist in der Kompaktklasse unguter Schnitt.

Das Auffälligste am neuen Kia ist noch der milde irritierende Name: cee'd . C, e, e – Apostroph, d, das ist eine Spielerei, mehr nicht, auch wenn laut Hersteller "e’d" bedeutungsschwanger "europäisches Design" verheißt. Tatsächlich ist der Kia cee'd eigentlich kein Koreaner. Entwickelt wurde er in Rüsselsheim, und montiert wird er in der Slowakei. Und eigentlich will der cee'd auch gar kein Kia sein, sondern ein Golf. Vor allem dem Lieblingsauto der Deutschen soll er jedenfalls Konkurrenz machen.

Meinen ganz persönlichen Vergleichstest hat der Kia schnell für sich entschieden. Schon im ersten Moment, noch vor der Abfahrt, denn er springt bei jedem Wetter an. Bei meinem alten Golf III hingegen zickt, wenn es regnet, jedes Mal die Zündung. Niemand weiß, warum; weder mein Schwager, obwohl der mal beim Daimler in Untertürkheim geschafft hat, noch mein Autopapst im Hinterhof. Auch sonst bin ich mit dem Kia zufrieden. Die Kurvenlage kann ich nicht beanstanden, der Motor surrt leise.

Trotzdem: Gegen den Platzhirsch der Kompaktklasse, den neuen Golf V, wird es der cee'd schwer haben. Denn koreanische Autos gelten bislang als Loser. Ihr Image bezogen sie in den letzten Jahren vor allem aus ihrer Anfälligkeit und den hinteren Plätzen in der Pannenstatistik. Deshalb bietet Kia beim cee'd jetzt eine besondere Rundumgarantie: Fünf Jahre lang zahlt der Hersteller alle Reparaturen, bei Motor und Getriebe sogar noch zwei Jahre länger. Das trauen sich die Wolfsburger bislang nicht. Für mich würde das bedeuten: nie wieder unterhaltsame Schraubereien mit meinem Schwager. Aber auch: nie wieder teure Audienzen beim Autopapst.

Und der nächste Kia-Coup soll bald folgen. Als Chefdesigner wurde jüngst Peter Schreyer engagiert. Der hat unter anderem den Audi TT und den VW New Beetle entworfen. Schreyer soll dem bislang gesichtslosen Kia zu mehr Attraktivität verhelfen. Denn auch der Durchschnittskunde ist schließlich zu Gefühlen bereit, wenn er Cabrios oder Roadstern begegnet – selbst wenn er anschließend doch zum günstigen Einheitsdesign greift. Zwecks Imagegewinns will Kia jetzt offenbar den Widerspruch zwischen Kompaktklasse und großen Emotionen auflösen.

Technische Daten
Motorbauart: Benzinmotor, 4 Zylinder
Leistung: 90 kW (122 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h
CO²-Emission: 152 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,4 Liter
Basispreis: 15.750 Euro