Ihre Abenteuerlust war nicht gestillt, als sie zurück nach Deutschland kam. Nach dem Jurastudium reiste sie im Auftrag der Weltbank 23 Jahre lang um die Erde, lebte in Rumänien, Albanien, Brasilien. Aber so leicht und unbeschwert wie damals in Michigan war es nie wieder, ein Land zu erobern. »Das Schöne an diesem Jahr war ja, dass man nur eine einzige Aufgabe hatte: in dieser fremden Welt einfach mitzuleben.« jo

1989, Dörte Hackenberg, Mexiko

Dörte Hackenberg liebt Kaffee. Nicht nur frisch aufgebrüht am Frühstückstisch, sondern als duftende Plantagenfrucht und geröstete Spezialität. Die 35-Jährige ist Expertin auf dem Gebiet. Sie hat Plantagen in Costa Rica besucht, in Kolumbien die Qualität der Bohnen geprüft und in Guatemala für ein Hamburger Handelshaus gearbeitet. In Lateinamerika fühlt sich die Kaffee-Sommelière genauso zu Hause wie in Deutschland.

Feuer gefangen hat Dörte Hackenberg 1989, als sie zum Schüleraustausch nach Mexiko ging. »Eigentlich wollte ich in die USA. Aber der Bewerbungsausschuss befand, ich würde besser nach Lateinamerika passen.« Die Organisatoren schätzten das Mädchen als aufgeschlossen, temperamentvoll und fröhlich ein und sahen kein Problem darin, dass die Schülerin kein Wort Spanisch sprach.

Ein halbes Jahr später fand sich die 17-Jährige in Guadalajara wieder. Sie war zunächst erschrocken über die gewaltigen sozialen Unterschiede in Mexiko. Während ihre Gastfamilie gleich neben dem Golfplatz lebte, half Dörte Hackenberg mit einer Kirchengruppe den Menschen in Slums. Sie lernte, dass man Arbeit in Mexiko lieber auf mañana, also auf morgen, verschiebt, dass die mexikanische Polizei nicht immer Freund und Helfer ist und dass ein Päckchen aus Deutschland schon mal ein halbes Jahr unterwegs sein kann. Alle zwei Wochen telefonierte sie zehn Minuten mit den Eltern zu Hause. »Heute würde man sich wahrscheinlich einfach ins nächste Internetcafé setzen und in die Kamera winken.«

Als sie sich nach ihrem Abitur bei einem Hamburger Kaffeehändler bewarb, äußerte sie sofort den Wunsch, wieder nach Lateinamerika gehen zu dürfen. Das Unternehmen baute auf ihre Erfahrung und setzte sie jahrelang als Qualitätsmanagerin, Handelsassistentin und Kaffeebotschafterin ein. Heute lebt Dörte Hackenberg mit ihrer Familie in der Schweiz. Ihr Mann arbeitet auch im Kaffeegewerbe. Noch hat ihr zweijähriger Sohn nicht gefragt, wo die duftende Brühe herkommt, die Mama und Papa zum Frühstück trinken. Aber eines Tages werden sie es ihm sicher zeigen. KB

1996, Ralf Richter, Frankreich

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Ralf Richter heute ausgerechnet die deutsche Botschaft in Astana aufbaut, der neuen Hauptstadt Kasachstans. Der 27-jährige Chemnitzer gehört zum ersten Jahrgang in der ehemaligen DDR, der als erste Fremdsprache nicht mehr Russisch lernen musste. Er wählte Französisch und ging 1996 mit 16 Jahren zu einem Austauschjahr in die Bretagne. »Ich springe jetzt so weit über meinen Schatten, dass der mich nicht mehr einholen kann«, das sei damals sein Motiv gewesen. Der Sprung brachte ihn aus der Stadt aufs Land in eine Familie mit zwei Gastgeschwistern, deren Mutter etwas Weltläufigkeit nach Hause holen wollte. Der Funke sprang über, und als Ralf abreiste, bereiteten sich seine Gastgeschwister selbst auf ein Jahr im Ausland vor.