Liebe Leserin, lieber Leser, bei uns in der Redaktion gibt es einen Running Gag: Immer wenn die Kollegin, die die Rubrik Mein Fernsehtipp betreut, das Thema der nächsten Ausgabe ankündigt, schaut sie etwas gequält. Trotz verzweifelter Versuche, auch mal etwas Anregendes und Unterhaltsames bei anderen Sendern zu finden, sagt sie dann: Wir sind diese Woche wieder bei Arte gelandet. Dabei wollen doch auch wir ZEIT-Redakteure nicht immer unserem Klischee entsprechen.

In den vorigen zwei Ausgaben des ZEITmagazins haben der frühere Sat.1-Chef Roger Schawinski und ZEIT- Herausgeber Josef Joffe über unsere Sehnsucht nach gutem Fernsehen geschrieben und warum sie so selten erfüllt wird. In der aktuellen Ausgabe verzweifelt unser Fernsehkritiker am Herbstprogramm der deutschen Sender.

Es geht anders, und es muss nicht immer teuer sein. Auch in Amerika beginnt die Fernsehsaison, dort ist man einen Schritt weiter. Nach dem aufgedrehten Wahnsinn von Sex and the City widmen sich die Sender nun jungen Paaren der Mittelschicht, ihren Hoffnungen und Ängsten (natürlich auch der Angst, nie mehr guten Sex zu haben, wir reden hier übers Fernsehen!). Es dreht sich aber nicht mehr darum, in Manolo Blahniks das nächste Date klarzumachen, sondern darum, in der Beziehung nicht in Depression zu verfallen, also um das Unglück zu zweit. Die Serien heißen Tell Me That You Love Me, Californication und Mad Men, und sie zeigen, was gutes Fernsehen kann: den Geist der Zeit reflektieren, ein Lebensgefühl treffen ohne dabei flach oder langweilig zu sein. Die amerikanischen Kritiker bejubeln diese Qualität, die Drehbücher, die Schauspieler. Wie gerne würden wir über deutsche Produktionen ähnlich euphorisch schreiben. Doch wenn es bleibt, wie es ist, müssen wir unsere Rubrik bald umbenennen in Mein Arte-Tipp.

Herzlich
Ihr Christoph Amend
Redaktionsleiter

PS: 75 Prozent der Leser, die auf meine Frage, ob Gerichte Streiks untersagen dürfen, geantwortet haben, sind dagegen. 25 Prozent sind dafür. Das ist die bislang eindeutigste Mehrheit unserer wöchentlichen Umfragen. Leser Norbert Föttinger schreibt: Als Berufspendler nutze ich täglich die Regionalzüge der Bahn und wäre von einem Streik persönlich betroffen. Ein Verbot halte ich dennoch für falsch. Ein Streik muss schaden, wenn er wirksam sein soll.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte nach der Hetzjagd von Mügeln, er fürchte um den Wirtschaftsstandort Deutschland ist das okay? Sie erreichen mich unter Christoph.Amend@zeit.de oder unter ZEITmagazin LEBEN, Dorotheenstraße 33, 10117 Berlin.