teurer Benedikt, der Du des Wunders fähig bist, ein ganzes Volk zum Papst zu machen, wie es in Bild geschrieben stand: Wenn Du nun nach Österreich kommest, um zu wandeln nach Mariazell, so werden viele Pharisäer an Deiner Seite gehen. Sie gehören der Sekte der Raiffeisianer an, und sie werden Frömmigkeit heucheln. Lasse Dich nicht beirren, und schicke ihnen auch keinen Segen per SMS. Nachdem Du das letzte Mal in Deutschland warest, kam nach Dir die Flut. Verschone unser Land mit derlei Flüchen, vergeude nicht das teure Wasser des Herrn, das vom Himmel fällt, um die Äcker fruchtbar zu machen.

Erhelle die Geister der Verstockten des Landes, welche unter dem Schüsselsyndrom leiden, und lasse sie soziale Dienste tun im Sinne des Nächsten, auch wenn er Gusenbauer heißet. Hilf ihm, dem Geblendeten, und schärfe seinen Blick, auf dass er sich nie mehr fotografieren lasse wie auf dem Plakat für den Kurier jener Raiffeisianer.

Lass die Kranken ihre Betten nehmen und gehen, und löse so unsere Spitalsmisere. Gib Kraft den Verzagten des Landes links und rechts der Donau, damit sie nicht verzweifeln über die Mediensituation im Land. Gib uns mehr erleuchtete und weniger illuminierte Lenker des Staates. Bringe Deinen Kardinal dazu, die Worte klar zu wählen, sodass man ihn zu unterscheiden lerne von NLP-geschulten Politikern. Halte Dein Haus, die Kirche, in dieser Gegend sauber von Männern, die zur Unzucht neigen mit Minderjährigen, seien es Knaben oder Mädchen. Wahrlich, ich sage Dir, lasse die Frauen zu Dir kommen als Dienerinnen Deiner Messen und bedenke, was Dich überraschen wird: Auch sie sind Menschen. Amen!

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben