Immer wieder erreichen uns Anfragen besorgter Leser. Sie wollen wissen, ob unsere geschätzte Kolumne mit der Wahrheit Schlitten fährt und Absurditäten schildert, die in Wirklichkeit gar nicht passiert sein können. Zu diesen Anfragen möchten wir wie folgt Stellung nehmen: Für ihre Unglaubwürdigkeit ist die Welt selbst verantwortlich. Wir behalten uns in dieser Kolumne lediglich das Recht vor, vernünftig über Verrücktes zu berichten und es in klaren Sätzen ungewürzt der Nachwelt zu überliefern. Weder tragen wir die Nase hoch, noch machen wir uns über Absurditäten lustig. Im Gegenteil, wir nehmen das Leben todernst, auch das Sterben. In diesem unserem Geist schauen wir nun auf die Pfarrgemeinde Bad Doberan an der Ostsee und studieren ihren Gemeindebrief Münsterblick. Unter der Rubrik "Neues vom Friedhof" lesen wir erfreut, dass eine uralte Sehnsucht in Erfüllung gegangen ist: "Die Anschaffung eines neuen Friedhofbaggers." Der alte Friedhofsbagger war so hinfällig, dass ein "gefahrloses Arbeiten am offenen Grab nicht mehr möglich war". Doch nicht nur der neue Friedhofsbagger ist ein lebender Beweis dafür, dass es nach Jahren tödlichen Stillstands auf dem Friedhof wieder aufwärtsgeht. "Die Grabpflege als neuer Service-Zweig hat sich bewährt." Gott sei Dank! "Für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken wir uns sehr herzlich bei den Auftraggebern." Gern geschehen. Abschließend erlauben wir uns, eine kleine Bitte der Friedhofsverwaltung an Sie weiterzugeben. "Liebe Grabbenutzer, bitte benutzen Sie die Kunststoff-Container nicht zur privaten Müllentsorgung." Die kostbare Zeit zum "Einsammeln des Sondermülls" möchte der Friedhofsgärtner nutzen, "um einen noch schöneren Friedhof zu gestalten, an dem wir ja alle interessiert sind". Übrigens, Hunde gehören an die Leine! "Denn wir sollten bei aller Alltagshektik nicht vergessen, dass wir uns an einem sensiblen Ort befinden, an dem viele von uns eine gewisse Ruhe und Friedlichkeit erwarten. Wir wünschen Ihnen nun einen schönen Herbst und freuen uns über die Wertschätzung unserer Arbeit. Bleiben Sie gesund. Ihre Friedhofsverwaltung." Liebe Leser, bitte nehmen Sie diesen kleinen Auszug aus dem original Bad Doberaner Gemeindebrief als Beweis unserer Glaubwürdigkeit. Wir Chronisten übertreiben nicht. Wir baggern nichts hinzu und lassen nichts weg. Wir sind wie die Vögel des Himmels. Wir säen nicht und ernten doch. Und nun sagen wir leise Servus: Bleiben Sie gesund!

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