Deutscher Herbst. Für die bedrückenden Ereignisse im September und Oktober 1977 hat sich bald die Metapher "Deutscher Herbst" eingebürgert. Im Frühjahr 1978 wurde der Essayfilm Deutschland im Herbst in Kino und Fernsehen gezeigt, ein Gemeinschaftswerk bekannter Filmemacher wie Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge und Volker Schlöndorff. Etwa zur gleichen Zeit erschien im Verlag Neue Kritik ein Buch mit dem Titel: Ein deutscher Herbst. Zustände 1977, herausgegeben von den linken Publizisten Tatjana Botzat, Elisabeth Kiderlen und Frank Wolff. Der Titel war eine Anlehnung an Heinrich Heines Versepos Deutschland. Ein Wintermärchen. Nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes wurde 1977 ein "ganz durchschnittlicher Herbst" gemessen: Wolken, Regen, im Schnitt neun Grad Celsius.

GSG9. Mit Nachtsichtgeräten, Blendgranaten, Pistolen und Leitern pirschten sich 28 Männer der Spezialeinheit Grenzschutzgruppe 9 (GSG9) unter Leitung von Ulrich Wegener an die entführte Lufthansa-Maschine in Mogadischu heran, um die Passagiere zu befreien. Die Elitegruppe des Bundesgrenzschutzes war darauf trainiert, Geiseln auch aus Flugzeugen zu befreien. Zu diesem Zweck war sie fünf Jahre zuvor gegründet worden – damals, bei den Olympischen Spielen 1972, waren auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck neun Geiseln und ein Polizist durch palästinensische Terroristen getötet worden. Am 27. Juni 1993 stellte die GSG9 auf dem Bahnhof in Bad Kleinen die RAF-Terroristen Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams. Dabei starb einer der Polizisten, Grams wurde durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe getötet. Zeugen behaupteten, er sei von einem GSG9-Beamten exekutiert worden. Staatsanwaltschaft und Gerichte kamen jedoch zu dem Schluss, dass Grams sich selbst getötet habe.

Kleine und Große Lage. Bundeskanzler Schmidt berief während der Entführung Schleyers zwei Beratungsgremien ein, um sich mit "allen Verantwortlichen auf höchster politischer Ebene" abzustimmen, wie es offiziell hieß. Die "Kleine Lage" traf sich mindestens einmal täglich. Ihr gehörten neben dem Bundeskanzler etwa ein Dutzend Personen an, darunter Innenminister Werner Maihofer (FDP), Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), Justizminister Hans-Jochen Vogel (SPD) sowie Regierungssprecher Klaus Bölling (SPD) und der Präsident des Bundeskriminalamtes, Horst Herold. Etwa zweimal pro Woche kam zudem die "Große Lage" zusammen, die um ein zusätzliches Dutzend Teilnehmer erweitert war. Dazu zählten die Vorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien sowie die Fraktionschefs. Die Bundesregierung mied die gängigere Bezeichnung "Krisenstab".

Kontaktsperregesetz. Während der Schleyer-Entführung wurde innerhalb von nur fünf Tagen von Regierung und Parlament ein spezielles Gesetz durchgebracht, um Terroristen im Gefängnis jeglichen Kontakt untereinander sowie mit ihren Anwälten vorübergehend verbieten zu können. Das Kontaktsperregesetz wurde seitdem nie wieder angewendet, ist aber nach wie vor in Kraft.

RAF. Zwischen 1971 und 1993 hat die Terroristengruppe Rote Armee Fraktion, kurz RAF genannt, 34 Menschen ermordet. Ihr Ziel war es, durch den systematischen Terror gegen Personen und Institutionen aus Politik und Wirtschaft einen Umsturz des politischen Systems der Bundesrepublik herbeizuführen. Vorbild war die lateinamerikanische "Stadtguerilla", deren Idol Che Guevara 1959 die kommunistische Revolution in Kuba zum Sieg geführt hatte. Erste Attentate verübte die Gruppe Ende der sechziger Jahre, angeführt von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof. 1998 erklärte die RAF ihre Selbstauflösung.

Rasterfahndung. Bei der Jagd nach Terroristen entwickelte die Polizei in den siebziger Jahren die Methode der Rasterfahndung. Dabei werden Zigtausende Daten nach verdächtigen Merkmalen "gerastert", etwa nach Wohnungen, deren Stromrechnungen bar bezahlt worden sind. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gab es erneut eine bundesweite Rasterfahndung. Diese hat nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts gegen das Grundgesetz verstoßen, weil keine konkrete Bedrohung bestanden habe.

Staatsräson. Wenn dem Schutz des Staates Vorrang vor dem Schutz des Einzelnen eingeräumt wird, spricht man von Staatsräson. Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 16. Oktober 1977 – nach einer Klage von Hanns Eberhard Schleyer im Namen seines entführten Vaters – war die Regierung nicht verpflichtet, Schleyers Leben um jeden Preis zu retten, denn sie hatte "auch eine Schutzpflicht gegenüber der Gesamtheit aller Bürger". Gleichwohl lehnt Helmut Schmidt den Ausdruck Staatsräson als oberflächlich ab. MK