An Büchern über Terror und Terrorismus herrscht seit dem 11. September 2001 kein Mangel. Und viele sind Schnellschüsse. Auf das Buch von Louise Richardson trifft das nicht zu. Die Harvard-Professorin, die aus Irland stammt und das vertrackte Zusammenspiel von Terror und staatlicher Gewalt aus der Nähe kennt, hat ein Buch vorgelegt, das mit Legenden und Spekulationen aufräumt.

Was die Ursachen des Terrorismus betrifft, so liegen sie für die Autorin nicht in den objektiven Lebensbedingungen, sondern "in einem tödlichen Cocktail, der aus einem entfremdeten Individuum, einer Terror gutheißenden Gemeinschaft und einer legitimierenden Ideologie besteht". Zwischen Armut und Terror existiert demnach kein direkter kausaler Nexus. Armut ist keine Ursache des Terrorismus, aber ein Risikofaktor dafür.

Terroristen sind, Richardson zufolge, rational handelnde Menschen, die ein politisches Ziel – das pervers oder hybrid sein kann – erreichen wollen. Terrorismus ist eine politische Strategie, die weder an eine Staatsform gebunden ist noch an eine Religion. Dies muss zur Kenntnis nehmen, wer gegen den Terrorismus vorgehen will. Die Motive von Terroristen sind weniger individuell als vielmehr politisch, ethnisch, national, sozial oder religiös begründet, wobei sich diese Momente stark vermischen können. Das gilt insbesondere für politische und religiöse Motive.

Zu den beständigsten Terrorbewegungen gehörte der ethno-nationalistische Terrorismus – etwa in Irland. Er überlebte, weil er eine starke Bindung an die Bevölkerung hatte. Momentan am häufigsten sind terroristische Selbstmordanschläge, die seit der Antike bekannt sind. Selbstmordattentäter handeln im Grunde wie Soldaten: In Loyalität zu einer Gruppe und einem politischen Ziel geben sie ihr Leben hin, um andere Menschen zu töten. Sie agieren analog zu Horaz’ Devise: "Beglückend und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben."

Während Louise Richardson im ersten Teil des Buches ein immenses empirisches Material zusammenträgt, geht sie im zweiten Teil mehr analytisch vor. Dieser handelt von den staatlichen Reaktionen auf den Terrorismus. Die amerikanische Regierung antwortete auf den 11. September mit einer "Kriegserklärung gegen den Terrorismus". Damit adelte sie Terroristen zu Kriegsgegnern. Gleichzeitig aberkannte sie den vermeintlichen Kriegsgegnern jedoch die Gleichberechtigung, nannte sie "ungesetzliche Kombattanten" und beging einen kapitalen Fehler: Mit der Einrichtung des Lagers in Guantánamo verließen die USA den Boden des Völkerrechts und der Genfer Konventionen. Sie machten sich damit unglaubwürdig.

Das Desaster des "Krieges gegen den Terrorismus" war absehbar: Die sowjetischen Truppen erlebten in Afghanistan dasselbe. Übermächtige militärische Gewalt beruhigt zwar vorübergehend die Lage, schafft aber vor allem "Rekrutierungsgoldgruben" für terroristische Organisationen.

Louise Richardson skizziert einen Strategiewechsel: Terroristen sollten wie Kriminelle mit verdeckten Ermittlungen und in internationaler Zusammenarbeit verfolgt werden. Parallel dazu muss die Bevölkerung durch geeignete wirtschaftliche und politische Maßnahmen gewonnen werden. Es geht um eine Kombination von Zwangsmaßnahmen gegen Gewalttäter und Beschwichtigungsangeboten für potenzielle Rekruten terroristischer Bewegungen. – Man kann der brillanten Analyse nur viele Leserinnen und Leser wünschen.