Es fühlt sich auf bestimmte Weise an, ein Mensch zu sein. Jeder von uns ist ein Zentrum des Erlebens. Dieses Erleben umfasst Unterschiedliches: Sinnesempfindungen wie Farben und Töne; Körperempfindungen wie Lust und Schmerz; Emotionen wie Angst und Hass; Stimmungen wie Melancholie und Heiterkeit; schließlich Wünsche und Triebe, also unseren Willen. Was wir erleben, ist nicht nur vorhanden, es ist etwas für uns und macht in diesem Sinne unser Bewusstsein aus.

Bewusstsein ist ausschlaggebend dafür, dass wir uns als Subjekte erfahren, und damit ist es entscheidend für all die Dinge, die uns als Subjekte betreffen: eine seelische Identität über die Zeit, die Ausbildung eines Selbstbilds, Anerkennung und Respekt von den Anderen, Verantwortung für unser Tun. All diese Dinge gibt es nur, weil wir über eine Innenperspektive des Erlebens verfügen.

Zugleich sind wir biologische Systeme. Um ein solches System in seinem Aufbau und seiner Funktionsweise zu erforschen, brauchen wir nicht über sein Erleben nachzudenken. Es geht um anatomische Strukturen, funktionale Zusammenhänge, Stoffwechselvorgänge, elektrische Aktivitätsmuster. Worauf es hier ankommt, ist Objektivität: Erkenntnisse, die von subjektiven Beimischungen möglichst gereinigt und für jeden in gleicher Weise nachvollziehbar sind. Für das Erleben dagegen ist wesentlich, dass es sich in dem, was es ist, nur dem Subjekt selbst ganz erschließt: Ich muss den Schmerz und die Angst fühlen, um sie vollständig zu kennen, und diese Kenntnis von innen macht mich zu einer Autorität.

Eine solche private Autorität gibt es im Körperlichen nicht: Dort sind die Phänomene öffentlich und allen in gleicher Weise zugänglich. Sofern wir ein Stück Natur sind, ist das Ziel der Erkenntnis Objektivität. Sofern wir ein Zentrum des Erlebens sind, kommt es auf die subjektive Vertrautheit mit dem Erlebten an.

Erleben und biologisches Geschehen sind nicht unabhängig voneinander: Nichts geschieht im Erleben, ohne dass sich auch im Körper etwas verändert, und bestimmte biologische Vorgänge erzwingen eine Veränderung im Erleben. Davon geht jeder aus, der Alkohol trinkt oder ein Aspirin nimmt. Wir alle sind in diesem Sinne minimale Materialisten: Wir glauben, dass Körper und Erleben zusammen variieren und dass wir zwischen ihnen eine Beziehung des Erklärens herstellen können: Ein bestimmtes Erleben tritt auf, weil eine körperliche Veränderung stattfindet. Und zudem scheint klar: Es ist vor allem das Geschehen im Gehirn, das wir kennen müssen, um unser Erleben zu verstehen.

Stellen wir uns nun ein menschliches Gehirn vor, das maßstabgetreu so weit vergrößert wäre, dass wir in ihm umhergehen könnten wie in einer riesigen Fabrik. Wir machen eine Führung mit, denn wir möchten wissen, woran es liegt, dass der entsprechend vergrößerte Mensch, dem das Gehirn gehört, ein erlebendes Subjekt mit einer Innenperspektive ist. Der Führer erklärt uns den Aufbau der Nervenzellen, die schwindelerregende Vielfalt der Verbindungen, die Chemie der Botenstoffe und das Muster der Gehirnströme.

„Alles sehr eindrucksvoll“, sagen wir zu ihm, „aber wo in dem Ganzen ist das Bewusstsein, das erlebende Subjekt?“ – „Komische Frage“, lacht er, „das erlebende Subjekt ist nicht irgendwo in dieser Fabrik; es ist die Fabrik als ganze, die für das Bewusstsein verantwortlich ist.“

Das sehen wir ein. Ein Schnitzer. Trotzdem beschäftigt uns etwas: Wir können uns ohne Weiteres vorstellen, dass hier drin alles genau so wäre, wie es ist, ohne dass der Mensch auch nur den Schatten eines Erlebnisses hätte. Nichts von dem, was uns gezeigt worden ist, scheint es notwendig zu machen, dass da einer etwas erlebt: nicht die Art des Materials, nicht die Architektonik der Fabrik, nicht die chemischen Reaktionen, nicht die elektrischen Muster.