Bildet die EU jetzt eine Eingreiftruppe mit Löschflugzeugen für Waldbrände?

Die Nachricht sorgt für Aufsehen: Die Europäische Union plane eine schnelle Eingreiftruppe für Waldbrände mit mindestens zehn Löschflugzeugen. Der Vorschlag ist nicht neu, er stammt vom ehemaligen EU-Kommissar Michael Barnier. Einige Mitgliedsstaaten wollten davon allerdings nichts wissen – der eigene Katastrophenschutz ist ihnen heilig. »Das Thema erfordert Feingefühl«, sagt Barbara Helfferich, Sprecherin der EU-Umweltkommission. Seit 2001 unterhält die EU lediglich ein Beobachtungs- und Informationszentrum, das in Katastrophenfällen die Hilfsangebote der Mitgliedsstaaten koordiniert. Es stößt allerdings an Grenzen. »Albanien hat gerade Unterstützung erbeten, es fehlen aber die Kapazitäten«, sagt Helfferich.

In solchen Fällen könnte eine EU-Truppe wichtig sein. Die Umweltkommission will dazu im Herbst einen Entwurf vorlegen. »Eine Lösung wäre auch, in erster Linie die Spezialtruppen in den jeweiligen Ländern zu unterstützen – und gleichzeitig einen Teil von ihnen für EU-Einsätze abzustellen«, sagt Helfferich. Mit dem geplanten Budget des Beobachtungszentrums (20 Millionen Euro) werde die EU nicht weit kommen: »Davon können wir eventuell mal ein Flugzeug anheuern und notfalls auch eins kaufen.«

Wer verursacht mehr Brände, der Mensch oder die Natur?

Die Experten sind sich weitgehend einig, dass in mehr als 95 Prozent der Fälle Brandstifter oder Fahrlässigkeiten die Feuer verursachen. Über verdorrtem Gras abgestellte Autos mit heißem Auspuff, Picknickfeuer, weggeworfene Zigaretten, sich selbst entzündende wilde Müllkippen – das Spektrum der Ursachen ist groß. Auch die Anreize für Brandstiftung sind vielfältig. Laut Marco Conedera, Experte für mediterrane Brände bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Bellinzona, hat sich beispielsweise die Wiederaufforstung nach Bränden in Italien als zweischneidige Maßnahme erwiesen: »Für viele war dies ein Beschäftigungsprogramm. Ging die Arbeit aus, dann hat es wieder gebrannt.« Solche Anreize gelte es abzuschaffen, ebenso die stille Duldung, wenn Brandflächen in Bauland umgewandelt werden. Der WWF moniert in seinem jüngsten Bericht Wälder in Flammen, dass auch die befristete Anstellung von Feuerwehrleuten nur für die Brandsaison einen Anreiz biete, sich Arbeit zu beschaffen. Eine professionelle Wehr müsse ganzjährig arbeiten und vor allem auf die Verhütung von Bränden setzen.

Welche Rolle spielen waldbauliche Fehler?

Seit Jahrhunderten verändert der Mensch die Vegetation Griechenlands, vor allem in der Tiefebene, in der es besonders häufig brennt. Wo heute überwiegend Aleppokiefern, Olivenbäume und Büsche das Landschaftsbild prägen, standen früher Eichen, die jedoch dem Holzbedarf zum Opfer fielen. Der relativ hohe Nadelwaldanteil begünstigt Brände. Die Kiefernnadeln geben den Flammen Nahrung. Im Gegensatz zu Blättern zersetzen sie sich schwer. Viel tote Biomasse »ergibt ein hohes Brennstoffvolumen«, sagt Robert Brandes, Geograf aus Nürnberg, der sich seit vielen Jahren mit den Wäldern Griechenlands beschäftigt. Aber auch Monokulturen von Eukalyptus auf der Iberischen Halbinsel begünstigen katastrophale Brände. Die Bäume enthalten wie die Kiefern viele Harze und ätherische Öle, die sich relativ leicht entzünden.