Der Krieg ist verloren. Aber der Präsident will ihn nicht verloren geben. Er will siegen, im Irak, im Krieg gegen den Terror, im großen endzeitlichen Kampf zwischen islamistischem Fundamentalismus und westlicher Demokratie. Es geht ums Ganze, und George W. Bush kennt keinen Zweifel: Der Dominostein Irak darf nicht fallen.

Aber vielleicht ist der Irak gar kein Dominostein, vielleicht ist er viel eher der Eckstein eines großen Lügengebäudes. Der Irak war vor dem Krieg nämlich kein Hort des Fundamentalismus, kein Rückzugsgebiet des internationalen Terrorismus. Die Hintermänner des 11. September, die Führer von al-Qaida, saßen in Afghanistan, mitsamt ihren Gastgebern, den Taliban. Darum war das militärische Eingreifen dort auch richtig, darum verdient die Operation Enduring Freedom bis heute die Unterstützung der Europäer. Afghanistan ist, wenn es das denn gibt, der "richtige" Krieg. Amerika und Europa dürfen ihn nicht verlieren. Sonst hätte der Terror freie Bahn.

Im Irak jedoch waren die Anschläge des 11. September nur der Vorwand für einen Krieg, den Bush mit einer kruden Mischung aus machtpolitischem Kalkül und fehlgesteuertem Demokratisierungselan vom Zaun brach – ohne Not und ohne jede Legitimation. Mit einem militärischen Eingreifen stoße Bush das Tor zur Hölle auf, hatten ihn seine Gegner gewarnt. So ist es gekommen. Mehr als 3700 amerikanische Soldaten sind gefallen, Hunderttausende Iraker haben ihr Leben verloren, zwei Millionen sind geflohen.

Bushs Antwort: noch mehr Soldaten. Im Januar 2007 stockte er die Truppe um 30000 auf nunmehr 162000 GIs auf. Dieser surge hat die Lage in einigen Teilen des Iraks tatsächlich beruhigt; dafür sind die Kämpfe in anderen Teilen des Landes umso heftiger aufgeflammt. Alle Berichte der jüngsten Zeit – der Geheimdienste, des Kongresses, des Rechnungshofes – kommen zu dem gleichen Ergebnis: Die Lage bleibt düster, eine Wende zum Besseren ist nicht in Sicht.

Der eine, der wichtigste Bericht steht allerdings noch aus. General David Petraeus, Amerikas oberster Kommandeur im Irak, und Botschafter Ryan Crocker sollen ihn am 15. September vorlegen. Jedermann weiß, mit diesem Bericht tritt die große nationale Debatte über den Abzug der amerikanischen Truppen in die entscheidende Phase.

Für die Demokraten im Kongress steht fest, die Strategie des Präsidenten ist gescheitert, der Truppenabzug muss beginnen. Gestritten wird in den Reihen der Opposition allein um das Tempo des Rückzugs. Aber selbst ein erzkonservativer Republikaner wie der Senator John Warner fordert Bush auf, noch vor Weihnachten die ersten Soldaten nach Hause zu holen: "Wählen Sie eine Zahl, wie Sie wollen."