So spricht der gesunde Menschenverstand.

Es ist tatsächlich schwer einzusehen, warum nun gerade denen durch staatliche Eingriffe geholfen werden soll, die in den Jahren zuvor dank ihrer Wetten Millionen und Milliarden Euro gescheffelt haben. Aber wer jetzt zuschaut, wie die Krise ihren Lauf nimmt, riskiert, dass sich das kapitalistische System selbst zerstört. Dann leiden alle, vor allem aber die, die noch nie etwas besessen haben. Das ist und bleibt die Krux des Systems, das auf Krediten aufbaut.

Was tun? Die EZB muss dafür Sorge tragen, dass vor allem die Banken, die in argen Finanzierungsnöten stecken, an Zentralbankgeld kommen. Wie kommt man als Bank an Zentralbankgeld? Indem man Sicherheiten bieten kann, gegen die die Notenbanken des Eurosystems Geld ausgeben. Die Notenbank hat eine strenge Liste an Wertpapieren, die sie als Sicherheiten akzeptiert. Dort sind längst nicht alle Titel drauf und vor allem nur gut benotete. Alles schlechter als "A minus" akzeptiert das Eurosystem nicht. Das führt in der aktuellen Situation dazu, dass die Banken, die sich mit ihren guten Sicherheiten überall am Markt Liquidität besorgen können, dieses auch bei der Europäischen Zentralbank können. Die anderen, die weniger gute Papiere besitzen, bekommen weder am Markt noch bei der Zentralbank Geld. Genau hier muss die Rettung ansetzen.

Die EZB muss alles dafür tun, dass die neumodischen Wertpapiere, die zurzeit unverkäuflich sind und das Misstrauen unter den Banken ausgelöst haben, wieder handelbar werden. Dazu müssen diese Papiere als Sicherheiten anerkannt werden, nicht zum vollen Nominalwert, sondern mit einem kleinen Abschlag. Doch sollte sich die Notenbank hüten, einen Marktpreis für diese Papiere zu ermitteln. Damit würde sie die Solvenzprobleme im Bankensektor eher noch verstärken. Zurzeit weiß niemand, was die mit Hypothekenforderungen und anderen Krediten unterlegten Wertpapiere tatsächlich wert sind. Deshalb muss die EZB wohl oder übel den Rating-Agenturen vertrauen, wohl wissend, dass die Bonität dieser Papiere in Wahrheit schlechter ist. Nur so lässt sich verhindern, dass die gefährliche Vertrauenskrise im Interbankenmarkt auf das gesamte Finanzsystem überschwappt.