Sehr geehrte Bundeskanzlerin, liebe Frau Merkel,
regieren, denke ich mir, ist kein einfacher Job. Immer dieses Spannungsfeld zwischen Wollen und Können! Wenn Sie wollen, dass die Mehrwertsteuer erhöht wird, kann ich als Bürger nichts dagegen tun, dann wird einfach alles teurer. Doch selbst Sie können, wenn Sie offiziellen Besuch haben, nicht einfach den Wein trinken, den Sie wollen – etwa den weißen Italiener, der Ihnen zuletzt auf Ischia so gut geschmeckt haben soll. Nein, es muss ein Riesling sein. Sonst fragt der Glos wieder in seiner tiefen Stimme, ob Sie denn überhaupt kein Herz hätten für die Nöte der deutschen Winzer. Das ist bitter, denke ich mir.

Ich kenne ein Auto, den idealen Dienstwagen für einen Menschen wie Sie. Ich habe ihn schon mal Probe gefahren. Und ich kann Ihnen sagen: Was für ein Jammer, dass dieser Wagen für Sie nicht infrage kommt, solange Sie Bundeskanzlerin sind und einer wie Glos Wirtschaftsminister ist!

Was ein Hybridantrieb ist, muss ich Ihnen als Physikerin ja nicht erklären: eine Kombination aus Benzin- und Elektromotor. Starten, anfahren, langsam fahren, dahinrollen, das geht elektrisch. Wenn Sie mehr Power benötigen, pardon: Leistung, beginnt der Benzinmotor zu arbeiten und lädt gleichzeitig die Batterie des Elektromotors. Wenn Sie bremsen, wird der Elektromotor zum Generator und erzeugt Energie, statt sie zu verbrauchen.

Nun denke ich mir, dass Sie meistens nicht selbst beschleunigen und bremsen. Wenn Sie zum Regieren fahren, tut das der Chauffeur der Fahrbereitschaft, am Wochenende, wenns in die Uckermark geht, vielleicht der Herr Sauer. Aber auch die beiden wären begeistert vom Lexus LS 600hL, dem ersten Auto überhaupt mit Hybridantrieb und 8-Zylinder-Motor. Und von dieser Ausstattung!

Mir zum Beispiel hat die adaptive Geschwindigkeitsregelung am besten gefallen: nicht einfach nur ein Tempomat, der stur die Geschwindigkeit hält. Nein, das Auto misst auch den Abstand zum Wagen vor Ihnen und wird von selbst langsamer, wenn es nötig ist – und wieder schneller, wenn die Bahn wieder frei ist. Da werden Autobahnfahrten, etwa von Berlin nach Bayreuth, zum Vergnügen.

Sie könnten – vorausgesetzt, Sie hätten zusätzlich 18.650 Euro für die Ausstattungslinien "Ambience" und "Wellness" investiert – aus Ihrem Lieblingsplatz hinten rechts auf Knopfdruck einen Liegesitz mit Fußstütze machen, könnten die Fernsteuerung aus der Mittelkonsole holen und auf "Shiatsu" drücken, und pneumatische Knubbel unter dem weichen Leder der Sitzlehne würden die Anspannung des Frühstücks mit Müntefering aus Ihrem Rücken kneten.

Dann würden Sie zur anderen Fernsteuerung greifen, würden den Bildschirm aus dem Wagenhimmel klappen und würden diese DVD mit jener wirklich gelungenen Meistersinger- Inszenierung anwählen. Und der Sound dazu würde aus den 19 Lautsprechern des Marc-Levinson-Soundsystems kommen, und Sie könnten die Augen schließen und sich zufrieden daran erinnern, dass dieses Auto, so groß und schnell und komfortabel es auch ist, mit seinem CO₂-Ausstoß noch knapp unter dem Wert von 220 Gramm pro Kilometer liegt, den Sie irgendwann, vielleicht, eventuell, nach Möglichkeit zum Höchstwert für alle Autos machen werden.

Tja! Schade, dass der Lexus nicht in Untertürkheim oder Ingolstadt oder München gebaut wird, sondern in Tahara. Und dass das in Japan liegt.

Technische Daten
Motorbauart: 8-Zylinder-Benzin- und 165-kW-Elektromotor
GesamtLeistung: 327 kW (445 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 6,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO²-Emission: 219 g/km
Durchschnittsverbrauch: 9,3 Liter
Basispreis: 107.350 Euro