In den Helen-Doron-Zentren tröstet man die Mütter mit dem Beschwören des long-time effect«, der je nach Kind natürlich schon mal ein paar Jahre auf sich warten lässt. Mütter sind aber bereits begeistert, wenn nach mehrjährigem Frühenglisch der kleine Sohn zum Himmel zeigt und »aeroplane« ruft. Da hat sich der Aufwand doch gelohnt! Es kommt vor allem darauf an, die Mütter glücklich zu machen. Trotzdem können Lernforscher wie Elsbeth Stern allzu ehrgeizige Eltern nur bitter enttäuschen. Bisher gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass diese Art des frühen Englischpaukens den Kindern bestimmte Vorteile im Fremdsprachenerwerb sichert und sie zu perfekten Sprachtalenten macht. »Es ist etwas anderes, wenn ein Kind zweisprachig aufwächst oder in einen bilingualen Kindergarten geht, dann ist die fremde Sprache Bestandteil des Alltags und wird ganz selbstverständlich und spielerisch erlernt«, sagt Elsbeth Stern. Der wöchentliche Sprachunterricht reiße die Kinder aber eher aus ihrem Alltag und konstruiere eine Situation, die wenig mit ihren Gewohnheiten zu tun habe. »Ich bin mir sicher, dass die Effekte vernachlässigbar sind.«

Neurowissenschaftler sprechen von Scharlatanerie

Woher aber kommt dieser Druck, den Eltern sich und ihren Kindern machen? Warum versuchen sie so vehement Einfluss zu nehmen auf die Möglichkeiten und die Zukunftsplanungen ihrer Kinder? »Wir leben in einer Neid- und Angstgesellschaft«, sagt Elsbeth Stern. »Viele Frauen geben für ihr Kind den Beruf auf, leiden unter Prestigeverlust« und hätten keine Lust, ihrem Kind nur beim Spielen zuzusehen. »Da muss mehr drin sein, denken sie. Wenn schon ein Kind, dann muss sich das wenigstens gelohnt haben.« Dabei lohne es sich viel mehr, so Stern, das Geld für Studiengebühren zu sparen, anstatt es selbst ernannten Experten der vorschulischen Bildung in den Rachen zu werfen. Der Neurowissenschaftler Henning Scheich spricht inzwischen von »Scharlatanerie«, die auf der Grundlage einer »Pseudowissenschaft« betrieben werde.

Und was für eine Generation von Kindern wächst da heran, die immer alle Möglichkeiten bekommt, die sich gerade bieten. In deren Zukunft alles investiert wird, was zur Verfügung steht. »Ich warne vor Ego-Problemen«, sagt Elsbeth Stern. »Diese Kinder haben immer gedacht und gesagt bekommen, sie seien etwas ganz Besonderes, und am Ende sind sie einfach nur durchschnittlich und normal – das muss dann erst mal verkraftet werden.«