Seit einiger Zeit knirscht es vernehmlich im Gedanken- und Verwaltungsgebäude der Denkmalpflege. Obwohl sich alljährlich Millionen Menschen an den Tagen des offenen Denkmals auf den Weg machen, um Kirchen, Palais oder Fabriken zu besichtigen – auch am kommenden Wochenende wird es wieder so sein –, obwohl also alte Bauten allseits beliebt sind, wird in den Denkmalämtern eine Stelle nach der nächsten eingespart, und die Etats schrumpfen. Mancherorts wird schon erwogen, die Denkmalschutzbehörden gleich ganz abzuschaffen. Der Staat solle sich zurückziehen und den Bürgern nicht länger vorschreiben, welche Kulturgüter wie zu schützen seien, so die populäre Forderung.

In der Konsequenz bedeutet diese Art von Deregulierung: Nicht die Denkmalpflege ist als kulturelle Fürsorgeinstanz des Staates verantwortlich für den Zustand der Denkmale, sondern die Eigentümer selbst sind es. Das mag sich für manche Denkmalpfleger wie eine große Bedrohung anhören, doch ist es durchaus möglich, mit der Entwicklung vernünftig umzugehen. Schon unter weit übleren Bedingungen als heute ist es gelungen, Kulturdenkmale zu retten. Gerade Denkmalpfleger aus der Ex-DDR wissen das und haben in einem mürbe gewordenen Bevormundungsstaat gelernt, wie sehr es auf ein Zusammenspiel von Bürgern und Denkmalpflegern ankommt.

Die vergangenen anderthalb Jahrzehnte nach dem Wendejahr 1989 waren jedenfalls eine günstige, vielleicht sogar eine Glanzzeit der Denkmalpflege. Es gehört zur positiven Bilanz der deutschen Einheit, dass das Sterben ganzer Städte wie Schwerin, Görlitz oder Erfurt verhindert werden konnte. Solche Erfolge sind kommunalen Denkmalpflegern zu verdanken, die meistens auch von politischer Seite unterstützt wurden, etwa in Aschersleben, Naumburg oder Halberstadt.

Mancherorts waren die Denkmalpfleger sogar so erfolgreich, dass nun einige meinen, es gebe mittlerweile viel zu viele Baudenkmale. Doch gibt es nicht zu viele Denkmale, sondern eine zu große Pedanterie im Umgang mit ihnen, sodass selbst gutwillige Bürger verschreckt werden. Im Eingangsflur, spätestens aber im Wohnzimmer eines einfachen Bauern- oder Gründerzeithauses werden »Forderungen« des Denkmalschutzes schnell als Hausfriedensbruch empfunden. Mit Augenmaß beim Formulieren von »Auflagen« und einem Gespür für die finanziellen Möglichkeiten der Denkmaleigentümer lässt sich mehr Akzeptanz erreichen. Zu den Grenzen, an die Denkmalpflege stößt, gehört schließlich nicht selten, gerade im Osten, reale Armut.

Es stellt sich die Frage nach den Prioritäten: Wo ist was und wann nötig und möglich? Wann wird der Widerstand gegen den Abriss eines unrettbaren Baudenkmals zum bloßen Verwaltungsritual, das ohne Erfolgsaussicht nur Kräfte bindet? Wer solche Fragen stellt, wird leider oft als Defätist geschmäht, doch ist die Diskussion unausweichlich.

Dasselbe gilt für die Frage nach dem Denkmalwert: Der exzellent gestaltete Industriebau aus den 1920er Jahren ist unter Umständen nicht weniger erhaltenswert als ein Barockschloss. Doch meinen nicht wenige, alle nach 1870 entstandenen Bauten bräuchten eigentlich keinen Schutz, und Jüngeres könnte man gleich ganz vernachlässigen – ein Rückfall in eine vorhistorische Denkart.