Sie kamen mit großem Hello: Der Chemiekonzern BASF stellte im Jahr 2000 eine Parade bemalter Kühe auf die Wall Street, um seinen Einstand an der amerikanischen Börse zu begehen. Veba, die später im Energiekonglomerat E.on aufging, überdeckte vor zehn Jahren den roten Teppich mit einem in blauer Konzernfarbe und ließ Luftballons in den Börsenhimmel steigen. Stolz läuteten die Konzernchefs die Glocke zum Auftakt. Vom "Aufbruch des Konzerns in eine globale Ära" sprach E.on und BASF-Chef Jürgen Strube sagte, der Tag markiere den "Übergang zu einem transatlantischen Unternehmen".

Nun gehen sie mit einem leisen Goodbye. In diesen Tagen vollziehen E.on, und BASF ebenso ihren Rückzug von der US-Börse wie der französische Lebensmittelhersteller Danone und die Schweizer Zeitarbeitsfirma Adecco. Der deutsche Chemiekonzern Altana und der Produzent von Carbonprodukten SGL Carbon haben ihre Notierung aufgekündigt, Bayer überlegt noch. Ein Exodus hat begonnen. Dass der erst jetzt stattfindet, hat vor allem einen Grund: Er war lange praktisch unmöglich.

Denn was die euphorischen Vorstände bei ihrem Debüt in den USA nicht ahnten: Sie hatten soeben in das "Roach-Motel" eingecheckt. So verspotteten Insider die Wall Street wegen ihrer strikten Regeln für einen Abschied – eine Anspielung auf Klebefallen für Kakerlaken.

So war es zwar theoretisch schon immer relativ einfach, die Notierung an der New York Stock Exchange zu kündigen. Aber damit waren die Unternehmen noch längst nicht aus der Falle. Als wahre Hürde erwies sich nämlich die Abmeldung bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Die verlangte noch bis Juni dieses Jahres den Nachweis, dass das betreffende Unternehmen weniger als 300 US-Anteilseigner zählte. Ein fast unüberwindliches Hindernis. Nach der revidierten Regelung reicht es nun aus, dass der durchschnittliche tägliche Aktienumsatz des Unternehmens in den USA unter fünf Prozent des weltweiten Handelsvolumens beträgt. Für viele ausländische Unternehmen kein Problem. "Der meiste Handel läuft mittlerweile elektronisch beziehungsweise direkt an der Frankfurter Börse", sagt BASF-Sprecher Michael Grabicki.

Wichtige Börsengänge finden zunehmend woanders statt