Europa hat einen neuen Energiegiganten. Das in eineinhalbjähriger, aufopferungsvoller Staatsarbeit geschaffene Kunstgebilde Gaz de France-Suez (kurz GdF-Suez) soll künftig Millionen Verbraucher in und um Frankreich mit Strom und Gas versorgen. Ob sich die Europäische Kommission in Brüssel darüber freut?

Einerseits ja. Denn gemessen am Kurswert, rangiert der neue Energiekonzern auf Platz vier der Weltrangliste. Vor ihm liegen zwar die russische Gasprom, aber mit Electricité de France (EdF) und E.on auch zwei europäische Anbieter. Erfreulich ist auch, dass GdF-Suez zum größten internationalen Anbieter von Flüssiggas aufsteigt. So schnell kann jetzt keiner mehr den Gashahn zudrehen oder Strom verknappen. Europas Energieversorgung wird unabhängiger und damit sicherer.

Andererseits nein: Es ist unwahrscheinlich, dass GdF-Suez ausgerechnet einer EdF Konkurrenz machen wird. Schließlich haben beide Unternehmen denselben Mehrheitseigner: den französischen Staat. Wenn also immer weniger und immer mächtigere Konzerne Elektrizität und Gas liefern und dabei ihre Märkte abschotten, kann der Brüsseler Plan vom intensiven Wettbewerb um die Kunden nicht aufgehen.

Die französische Regierung demonstriert gerade, dass sie die Vision eines europäischen Binnenmarkts nationalen Interessen zu opfern bereit ist. Und: Sie löst vielleicht noch größere Fusionen aus. EdF könnte nach RWE greifen und Gasprom bald nach E.on. Wie soll Brüssel das dann noch verhindern können?