Es steht 4:1. Dann bricht der Verteidiger Antonio Puerta im ersten Saisonspiel seines Vereins FC Sevilla auf dem Feld zusammen. Einfach so. Kein Unfall, kein Zusammenstoß, kein Foul. Mehrfach gelingt es den Ärzten, den 22-jährigen Nationalspieler wiederzubeleben – erst auf dem Spielfeld, anschließend in der Kabine. Drei Tage später stirbt der Spanier im Krankenhaus. Todesursache: Hirntod durch Sauerstoffmangel nach mehreren Herzstillständen. Am 29. August wird der beliebte Fußballer beerdigt, es ist fast ein Staatsbegräbnis.

»Sudden Death« hat im Sport eigentlich eine andere Bedeutung. Ein nach der regulären Spielzeit unentschieden endendes Spiel wird sofort abgepfiffen, wenn in der Verlängerung eine Mannschaft ein Tor schießt. Doch in jüngster Zeit taucht der Begriff fast immer in medizinischem Zusammenhang auf. Am selben Tag, an dem Puerta beerdigt wird, gibt es bereits den nächsten »plötzlichen« Toten. Im israelischen Beerschewa kippt der sambische Nationalkicker Chaswe Nsofwa, 26, bei einem Trainingsspiel um; Notärzte können den Angreifer nicht wiederbeleben. Und nur knapp eine Woche zuvor starb in England der 16-jährige Nachwuchsspieler Anton Reid nach einem Zusammenbruch.

Wie kann es sein, dass durchtrainierten Sportlern das Herz versagt? Lässt sich der plötzliche Tod von jungen Ballartisten verhindern? Darüber diskutierten auch die Herzspezialisten beim größten Kardiologenkongress der Welt vergangene Woche in Wien. »Unglaublich« findet Domenico Corrado das, was da gerade im südspanischen Sevilla passiert ist. »Der Mann wurde drei oder vier Mal wiederbelebt«, sagt der führende Sportkardiologe aus Padua.

Auch Dopingmittel können das Herz aus dem Takt bringen

Selten ist ein Herzinfarkt oder ein Herzklappenfehler die Ursache für den Kollaps. Fast immer sind es schwere Herzrhythmusstörungen, die zum plötzlichen Tod auf dem Rasen führen. Bei der Arrhythmie gerät das Herz aus dem Takt, schlägt meist viel zu schnell, die Kammern pumpen in rasantem Tempo. Wenn das Herzflattern in Kammerflimmern übergeht, wird es lebensbedrohlich. »Jede einzelne Herzmuskelzelle kontrahiert zwar, aber alle arbeiten durcheinander. Dadurch kann kein Blut mehr durch den Körper gepumpt werden, es kommt zum Kreislaufstillstand«, erklärt Paulus Kirchhof, Kardiologe am Universitätsklinikum Münster. So etwas kann man überleben. Die Fußballprofis haben im Ernstfall bestens ausgestattete Ärzteteams samt Defibrillatoren in der Nähe. Doch wenn das Herz zu lange oder zu oft stillsteht, wird das Hirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab. So wie bei Antonio Puerta.

In den vergangenen zehn Jahren sind mindestens 16 Profifußballer den plötzlichen Herztod gestorben. Die Statistik zeigt, dass Leistungssportler verglichen mit Nichtsportlern ein bis zu viermal so hohes Risiko haben, vom »Sudden Death« ereilt zu werden. Von den unter 30-Jährigen in der Gesamtbevölkerung stirbt jedes Jahr etwa einer von 100000 daran.

Der Kardiologe Kirchhof und seine Kollegen spüren in Wien den Ursachen der Sportlersterblichkeit nach. In Vorträgen zeigen sie saubere Schnitte durch Sportlerherzen und präsentieren auffällige Elektrokardiogramme, die selbst Experten in Erstaunen versetzen – Warnsignale, die womöglich übersehen wurden. Denn meist ist eine angeborene Grunderkrankung schuld am Herzversagen.

Bei Antonio Puerta war es eine »generell zwar seltene Erkrankung der rechten Herzkammer, die bei Sportlern jedoch eine wichtige und bekannte Ursache des plötzlichen Herztods ist«, teilte der Weltfußballverband (Fifa) mit. Die Muskulatur wird dabei zunehmend durch Fettgewebe ersetzt, die Herzkammer erweitert sich. Das kann letztlich fatale Störungen des Herzrhythmus verursachen.

Häufig sind auch die Herzmuskelwände verdickt, speziell die der linken Kammer. Wenn der Muskel unkontrolliert wächst, kann es zu Problemen mit der Reizleitung kommen. Oft verengen die wuchernden Muskeln auch den Ausfluss in die Hauptschlagader, was das Herz ebenfalls aus dem Tritt bringen kann. So wie bei dem Kameruner Marc-Vivien Foé, der 2003 im Halbfinale des Confederations Cup zusammenbrach und nicht mehr zu Bewusstsein kam.