Ein heimeliges Schwarzwaldhaus, blumenumkränzte Balkons, sauber gefegte Straßen – gefangen in der deutschen Provinz? Nein, von fern winkt Miss Liberty, es besteht Hoffnung auf Erlösung. Die junge Familie vor der traurigen Bretterhütte dagegen hat ihre besten Zeiten bereits hinter sich: Paradies perdu. Hotel California heißt eine Ausstellung im Kölner Wallraf-Richartz-Museum, die beweisen will, dass sich neue Fotokunst und Alte Meister durchaus vertragen – vorausgesetzt, die Thematik stimmt. Für die eigenwillige Schau mit dem Titel des berühmten Eagles-Songs wurden frühbarocke und spätmittelalterliche Werke mit Fotografien von Desiree Dolron und Thomas Wrede paarweise verbunden. Im Dialog mit biblischen Szenerien befindet sich etwa Wredes Fotozyklus "Magic Worlds", entstanden in deutschen Freizeitparks außerhalb der Öffnungszeiten. Die Tristesse dieses verloren wirkenden modernen Edens (unser Bild: "Schwarzwaldhaus mit Freiheitsstatue", Soltau/Lüneburger Heide, 1998) spiegelt den Kupferstich des Johann Sadeler ("Vertreibung aus dem Paradies", um 1550–1600, nach Marten de Vos) überraschend perfekt. B.W.

7. September bis 18. November, Di 10–20, Mi–Fr 10–18, Sa/So 11–18 Uhr (ab 1. Oktober geänderte Öffnungszeiten), Eintritt 6,50 Euro. Wallraf-Richartz-Museum, Obenmarspforten, 50667 Köln, Tel. 0221/22121119, www.museenkoeln.de/wallraf