Man kann den Österreichern so manches nachsagen: dass sie ihren Hitler gegen unseren Beethoven getauscht haben. Dass ihnen die Verbreitung des Walzers gelang, ohne dass sie exkommuniziert wurden. Und dass sie mit dem Namen Mozart weltweit die hanebüchensten Dinge angerichtet haben. Was aber ihre Küche angeht, können wir nur den Helm absetzen. Es kann sich sehen lassen, was da gesotten und gebraten wird!

Manche Piefkes glauben, die k.u.k. Nationalspeise sei das Beuschel. Doch das will ich meinen Lesern nicht zumuten nach den Strapazen des vergangenen Kochwettbewerbs. Nicht anders ergeht es dem Wiener Schnitzel, weil es in Wirklichkeit die Nationalspeise der Berliner ist, noch vor Currywurst.

Aber nur keine Angst, liebe Mitleser aus Österreich! Die große Auswahl an Spezialitäten Ihrer Küche macht es mir einfach, eine zwischen Vorarlberg und Burgenland allgemein beliebte Speise zu finden, die es verdient, hier in Vertretung des Doppeladlers genannt zu werden. Es ist der Kaiserschmarren.

Der österreichische Kaiser besaß die Oberaufsicht über alles Land, in dem damals Knödel gekocht wurden. So konnte er unwidersprochen einen dicken, fetten Pfannkuchen backen und ihn mit der Gabel zerrupfen, worauf das vielsprachige Volk begeistert vom "Kaiserschmarren" jodelte.

Dem Kaiser wäre es lieber gewesen, man hätte das gekochte Rindfleisch nach ihm benannt, welches in allen Restaurants des Landes als "Tafelspitz" geführt wird und seine Lieblingsspeise war. Aber so ist es den Staatsoberhäuptern vorausbestimmt, dass sie nie mit ihren Lieblingsgerichten in Verbindung gebracht werden. Das musste wenig später auch der andere Österreicher feststellen, als sich ein "Führerschmarren" in der Gastronomie nicht durchsetzen konnte.

Einen dicken, fetten Pfannkuchen zu machen sei einfach, meinen unsere jugendlichen Hobbyköche. Die Wahrheit ist: Der dicke, fette Pfannkuchen ist eine Mehlspeise. Und wenn man Mehlspeise ohne ein e am Ende schreibt, ist das ein Grenzübertritt. Wir befinden uns nämlich im österreichischen Sektor der Hochküche, und da geht es anders zu als bei uns, wenn Mehl und Eier und Zucker zusammengemanscht werden.