Heizen mit Strom – das klingt nach Verschwendung und hohen Rechnungen. Doch inzwischen ist auch das Gegenteil möglich. Wer mit Strom heizt, kann Energie und Geld sparen. In der Schweiz hat sich das schon herumgesprochen. Die Hälfte aller Neubauten wird dort elektrisch beheizt. In Norwegen und Schweden sind es praktisch alle, in Deutschland immerhin fast zehn Prozent. Selbst Altbauten lassen sich mit Strom sparsamer beheizen als mit Öl oder Gas.

Zum Beispiel das niedersächsische Fachwerk-Bauernhaus der Familie Hagemann. Eine Fußbodenheizung bringt die umgebaute Scheune mit der Glasfront auf eine wohlige Temperatur. Gespeist wird sie von einer Wärmepumpe. Das gefrierschrankgroße Gerät kann im Keller stehen, in der Waschküche oder auch – wie bei Hagemanns – auf dem Dachboden. Elektronisch gesteuert, surrt es leise vor sich hin. Anders als bei den Nachtspeicheröfen der sechziger und siebziger Jahre kommt die Energie nur zu einem Viertel aus der Steckdose. Drei Viertel der Heizleistung steuert die Umwelt bei, im Fall der Hagemanns aus sechs rund 50 Meter tiefen Bohrlöchern in ihrem Garten. Dort unten liegt die Temperatur im Sommer wie im Winter bei rund 10 Grad. Ein gut isolierter Wasserkreislauf bringt die Wärme aus dem Untergrund auf den Dachboden.

Dort tritt die Wärmepumpe in Aktion. In ihrem Inneren zirkuliert, wie in jedem Kühlschrank, ein Kältemittel – auf der einen Seite flüssig, auf der anderen gasförmig. Nur dient der Kreislauf hier nicht zur Erzeugung von Kälte, sondern zur Erhöhung der Erdtemperatur auf bis zu 55 Grad für den Betrieb der Heizungsanlage. Das Wasser, das in die Bohrlöcher zurückfließt, hat dafür rund zehn Grad Wärme abgegeben.

Das technische Prinzip ist schon seit 1852 bekannt, im größeren Umfang kam es erstmals in der Schweiz zum Einsatz, als während des Zweiten Weltkriegs die Kohlelieferungen ausblieben. 1938 wurde die Heizung des Zürcher Rathauses auf Wärmepumpenbetrieb umgestellt. Eine Anlage, die 1943 in einem benachbarten Bürogebäude installiert wurde, erreichte bereits die auch heute noch übliche Jahresarbeitszahl 4. Sie sagt aus, dass mit jeder Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärmeenergie erzeugt werden.

Ende der siebziger Jahre erlebte die Wärmepumpentechnik einen ersten Aufschwung in Deutschland. Der Ölschock hatte sie wirtschaftlich so interessant gemacht, dass die wenigen Hersteller die große Nachfrage kaum befriedigen konnten. Mit dem drastischen Rückgang des Ölpreises nach 1982 brach der Markt schnell wieder zusammen. Viele der eilig gebauten Wärmepumpen machten zudem technische Probleme. Für die nächsten 20 Jahre wurde es still um das Thema.

Jetzt sind die Kinderkrankheiten überwunden. Alle großen Heizungshersteller haben zuverlässige Wärmepumpen im Programm, und der Markt boomt. Mit 55000 wurden im vergangenen Jahr genau dreimal so viele Anlagen installiert wie 2005. »Wir verkaufen ein bis zwei Anlagen im Monat«, sagt der Heizungsinstallateur Udo Freßonke, der auch das Bauernhaus der Hagemanns auf Stromheizung umgerüstet hat. Die Nachfrage ist noch weit größer, kann von der kleinen Firma aber nicht bewältigt werden. »Der Beratungsbedarf ist enorm.«

Immer wieder muss Freßonke potenziellen Kunden am Ende auch abraten. In Altbauten ist häufig die bestehende Heizungsanlage ein Hinderungsgrund. Benötigt sie eine Vorlauftemperatur von über 55 Grad, ist die Umstellung nicht sinnvoll. Am effizientesten arbeiten Wärmepumpen in Kombination mit einer Fußbodenheizung, die nur 35 Grad benötigt. Für das Wasser zum Duschen und Baden reicht das dann allerdings nicht, hier kann ein zusätzlicher Durchlauferhitzer helfen. Zimmer ohne Fußbodenheizung können womöglich durch große Flächenheizkörper wärmepumpentauglich gemacht werden. All das muss vor einer Entscheidung gründlich berechnet werden.