Pferde sind Kult, Kühe nicht. Pferde liegen uns am Herzen, Kühe allenfalls schwer im Magen. Pferde werden gehegt und gepflegt. Kühe zerkaut und verdaut. Womit haben die armen Kühe das verdient? Glücklich sind die indischen Kühe, traurig sind alle anderen. Wie traurig die Kühe sind, aber auch wie schön, wie gescheckt, wie wohlgeformt, das zeigen die Kuhfotografien von Larry E. McPherson (The Cow; Steidl Verlag, Göttingen 2007; 55 S., 50,– €). Die Kuh, einmal nicht als Steak auf dem Teller, sondern als lebendiges Mitgeschöpf in freier Natur, in selbstvergessener Verdauungs-Trance vor sich hinträumend, durch Blumenwiesen schlendernd, auf der Weide dösend. So haben wir unser liebes Nahrungsmittel noch selten gesehen. Die zwei oder drei einfachen Bilder, die uns das kindliche Herz zum ersten Mal geöffnet haben – denen ist Larry E. McPherson, der als kleiner Junge die Großeltern oft auf dem Land besucht hat, im Kuhstall mit der Kamera auf der Spur. Erst bewundern, dann braten, immer schön der Reihe nach. Iris Radisch