Als ich klein war, träumten andere Jungen davon, im selbst gebauten Flugzeug zum Mond zu fliegen. Das fand ich kindisch. Auch die Begeisterung meiner Freunde um Science-Fiction-Filme wie Star Wars konnte ich nicht nachvollziehen.

Meine Träume gingen immer in eine realistische Richtung: Was lässt sich verwirklichen – und wie? Mir fällt auf, dass die Träume zudem von dem Wunsch geprägt waren, in Bewegung zu sein. Zum Beispiel träumte ich im Alter von sieben Jahren davon, ein Rennrad zu besitzen. Die Farbe war mir gleich, dünne Reifen, viele Gänge, das waren wichtige Kriterien. Und die Marke. Es musste eins von Peugeot sein. Dahinter steckte Kinderlogik: Die machen tolle Autos, dann müssen die Räder erst recht toll sein.

Dieser Traum wurde noch im Grundschulalter von einem Faible für Motorräder abgelöst. Unter 100 PS ging gar nichts, 250 Kilometer pro Stunde mussten schon drin sein. Ich bin dem Traum näher gekommen, indem ich Quartettspiele über Motorräder kaufte und so zum Experten wurde. Ich glaube, mich faszinierten die technischen Möglichkeiten – es war bestimmt nicht die Begeisterung für das Fahren. Ich bin als Kind türkischer Gastarbeiter groß geworden. Jeden Sommer fuhren wir zu Verwandten in die Türkei, die Reise dauerte knapp drei Tage, das war eine Tortur für mich.

Diese ersten Träume waren zwar alle greifbar, aber noch nicht erfüllbar. Mit zwölf dann saß ich eines Nachmittags vor dem Fernseher, zufällig lief ein Tennismatch. Ich spürte: Das willst du auch können. Ein paar Tage später begann ich, mit einem ausgeliehenen Holzschläger alte Bälle an die Ballwand im Tennisklub zu kloppen. Ein Jahr später war ich Vereinsmeister im Knabenteam.

Vielleicht habe ich an jenem Nachmittag Ivan Lendl gesehen. Genau kann ich mich nicht erinnern, aber ich weiß: Es war Lendl, der in mir den Wunsch weckte, vernünftig zu spielen. Er war mein Idol, nicht Boris Becker. Der jaulte und jammerte auf dem Platz, wenn es mal nicht so gut lief. Das entsprach nicht meinem Naturell. Mir sagte das Asketische von Ivan Lendl zu. Die stattliche Erscheinung, der kraftvolle Stil, die schiere Physis. Lendl redete nie viel, er war kein Sympathieträger, sondern der Tennisarbeiter durch und durch. Ich brachte mir Tennis mehr oder weniger selbst bei, damit sich mein Traum erfüllte.