4. Juni
Ich bin in meinem Kinderzimmer bei meinen Eltern in Zürich. Ich komme immer wieder so gern nach Hause. Heute gibt es einen Fernsehserienabend mit meinen Eltern. Wie früher.

9. Juni
Hatte sehr stressige Tage in Bern bei der WG-Suche. Das Problem war, dass entweder die Wohnung oder die Leute ganz toll waren. Ich habe mich für die tolle Wohnung entschieden: Altbau, Stuck, Kamin im Wohnzimmer, dunkles, altes Parkett. Ich werde mit zwei Mädels wohnen, die nicht wirklich meine Wellenlänge sind, glaube ich. Ich hab ein bisschen Angst vor ihren Ikea-Möbeln, Perlenohrringen und Haarreifen.

27. Juni
Schauspielschultreffen in Salzburg. Ich find die alle viel sympathischer auf der Bühne als nicht auf der Bühne. Ich frag mich, ob das bei mir auch so ist.

16. Juli
Jetzt bin ich also umgezogen von München nach Bern. Es war ein Horrorumzug. Die Packer kamen viel zu spät bei mir in München an, sie hatten keine Ahnung von der Route und haben sich total verfahren.

18. Juli
Heut habe ich mit meiner Mitbewohnerin und drei ihrer Freundinnen vor unserer Wohnung im lauen Berner Sommerabend gesessen, und wir haben Frauengespräche geführt über die Mütter unserer Freunde, und es war einfach total entspannt und toll.

Bern meint es gut mit mir. Eine meiner beiden neuen Mitbewohnerinnen ist genau der Typ Frau, den ich nie kennengelernt hätte, wenn ich nicht mit ihr zusammenwohnen würde. Sie hat ganz lange Nägel und achtet sehr auf sich, föhnt sich immer die Haare perfekt, schminkt sich immer, auch wenn sie zu Hause rumhängt.

Wenn ich in die Küche komme, dann hängt sie unter dem Abzug des Herds, damit der Rauch ihrer Zigarette eingezogen wird. Da hängt die auf den Ellbogen aufgestützt und schreibt irgend ’ne SMS und hält ihre Zigarette in diesen Abzug rein – dieses Bild ihrer Haltung, das ist einfach super.

28. Juli
Das ist ja krass mit den Astronauten, die betrunken ins All geflogen sind. Ist es nicht genug, ins All zu fliegen? Aber vielleicht hatten die Angst. Vielleicht ist es zu viel, vielleicht hält man das nicht aus, ins All zu fliegen so als Mensch, vielleicht hält die menschliche Psyche die Unendlichkeit nicht aus. Man muss sich betrinken.

29. Juli
Heute hat mir jemand eine schöne Geschichte erzählt: Dass er und sein Bruder früher als kleine Kinder zur Großmutter durften, die anders als die Eltern einen Fernseher hatte, und darum haben die beiden immer ferngeguckt, aber nach einer Stunde machte es immer peng, und alles wurde dunkel im Fernsehzimmer. Die Großmutter sagte ihnen, der Fernseher habe sich überhitzt und man könne erst nach einer halben Stunde wieder fernsehen.

Erst Jahre später hat sich herausgestellt, dass die Großmutter immer die Sicherung herausgezogen hat, damit die Enkel eine halbe Stunde mit ihr Karten spielten.