Von Cecilia Bartoli sind, was das Leben und die hohe Kunst betrifft, keine größeren Überspanntheiten zu befürchten. Sie liebe Spaghetti, hat es anfangs gerne geheißen, dio mio, was erwartet man von einer Italienerin; sie habe überdies ein heiteres Gemüt und sei stets zu Scherzen aufgelegt – ihr legendärer Auftritt in einer Talkshow an der Seite von Sir Peter Ustinov etwa, als beide akustisch die Jagd in einem klapprigen Fiat durch Rom imitierten, vergisst sich so leicht nicht. Außerdem reist sie, so oft es geht, in Gesellschaft ihrer Mutter (und einzigen Gesangslehrerin), fährt viel lieber Zug, als dass sie fliegt und ist mit dem Schweizer Bariton Oliver Widmer liiert. Und wer sie an einem frösteligen Frühherbstmorgen im Foyer des Zürcher Opernhauses zum 45-Minuten-Gespräch trifft, der darf sich getrost an einer Spur Goldpuder überm sonnengebräunten Dekolleté erwärmen. Vier Wochen Südfrankreich, strahlt Bartoli und ringt verlegen nach Vokabeln, da müsse sie ihr Englisch erst wieder aus der Mottenkiste holen.