Was haben sie gelacht in der CSU, als Gabriele Pauli ihre Kandidatur für den CSU-Vorsitz erklärte . Eine Witznummer. Bis die Umfrageergebnisse kamen. 56 Prozent der CSU-Mitglieder befürworten Paulis Kandidatur. Den Sieg wird ihr das nicht bringen, an den scheint sie ohnehin nicht wirklich zu glauben: "Die Kandidatur hat Wirkung, weil sie die Diskussion in unserer Partei anfacht. Es ist ja selten, dass als Außenseiter jemand von unten kandidiert, meistens werden die Posten innerhalb der Führungsriege hinter verschlossener Tür vergeben." Eine Demonstration also, ein Akt des politischen Protests.

Pauli führt einen Wahlkampf, der eigentlich gar keiner ist. Niemand möchte sie einladen. "Ich bin ja oben nicht gelitten, da wollen sie nicht mit mir gesehen werden." Und so bleibt Pauli gar nichts anderes übrig, als Interviews zu geben und auf ihren großen Moment zu warten. Die Rede auf dem Parteitag, wo sie über mehr Demokratie in der Partei sprechen will und die Rolle der Frau. "Frauen bekommen in der CSU eine hohe Position nur von Mannes Gnaden, dafür müssen sie die alten Rollenbilder bedienen", sagt Pauli. Tatsächlich sind Frauen in der CSU in hohen Positionen nur spärlich vertreten. Von 18 bayerischen Kabinettsmitgliedern sind gerade einmal drei weiblich, nur 24 von 124 Landtagsabgeordneten sind Frauen. Neben der CDU mit Merkel und von der Leyen wirkt die CSU wie deren altbackene Schwester. Pauli würde das gern ändern, viele finden das gut, doch nicht alle sind ihr dankbar dafür. "Das Verhalten von Gabriele Pauli hat uns Frauen in der Partei massiv geschadet", sagt zum Beispiel die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär. Schon sagen einige Männer, da sehe man mal, wohin das führe mit den Frauen in der Politik. Was sollten Frauen da erst über Männer sagen? Angela Köckritz