Die Masche der Betrüger: Oft reicht es schon, wenn ein Anlagevermittler im Prozess versichert: »Ich habe das Produkt und das Geschäftsmodell selbst nicht verstanden«. Bei Firmengründern zieht auch der Satz »Wir haben selbst an diese Umsatzzahlen geglaubt« ungewöhnlich gut. Denn dann kann das Gericht ihnen nur noch schwer beweisen, dass sie die Anleger arglistig über die Gewinnaussichten getäuscht haben. Die Verurteilung eines Betrügers ist allerdings eine zweischneidige Sache, sagt Rechtsanwalt Jens Graf. »Von einer strafrechtlichen Verurteilung der Täter hat der einzelne Geschädigte oft nichts. Wenn die im Gefängnis sitzen, bekommt er noch viel seltener sein Geld zurück.«

Die Opfer sollten sich trotzdem wehren. Denn nur mit viel Öffentlichkeit und politischem Druck lassen sich bestehende Missstände ändern, sagen Anlegerschützer wie Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale NRW. Anlagebetrug ist keine Bagatelle, sondern vernichtet jährlich Kapital in Milliardenhöhe. Das Deutsche Institut für Anlegerschutz hat errechnet, dass Sparer dadurch in den vergangenen fünf Jahren rund 270 Milliarden Euro verloren haben. Viele Geprellte scheuen aber den Gang vor Gericht, hat Stephan Holzinger beobachtet. Er ist Sprecher der Kanzlei Tilp, die sich auf Anlegerschutz spezialisiert hat. »Zeit, Geld und Psyche sind dabei wichtige Aspekte: Die meisten Geschädigten haben ein großes Bedürfnis nach Diskretion und erstatten deshalb keine Anzeige«, sagt Holzinger. Viele wollten den Reinfall schnell verdrängen und sich nicht noch jahrelang mit dem Erlebnis beschäftigen. Etliche Mandanten hätten auch nicht das Geld, um solche Verfahren durch alle Instanzen durchzufechten. Der Gang bis vor den Bundesgerichtshof kann sich aber durchaus lohnen, wie Anlegeranwalt Jens Graf weiß: »Der Gerichtshof gilt in solchen Fragen als ausgesprochen anlegerfreundlich.« nob