Hartz IV betrifft nicht nur die Randgruppen der Gesellschaft. Jeder achte Einwohner Deutschlands war schon darauf angewiesen. Das stellt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Sozialforschung fest, die sich mit den ersten beiden Jahren nach der Arbeitsmarktreform befasst. Die Mehrheit der Empfänger ist langfristig auf die Hilfe angewiesen: 56 Prozent der Alg-II-Haushalte erhielten 2005 und 2006 durchgängig Unterstützung. "Diese Verbleibrate ist etwa so hoch, wie sie früher bei der Sozialhilfe war", sagt IAB-Mitarbeiter Tobias Graf.

Einzelpersonen und Paare ohne Kinder haben die größten Chancen, dass es bei einer kurzfristigen Überbrückung bleibt. Hingegen waren 65 Prozent der Alleinerziehenden nach zwei Jahren immer noch arbeitslos. Graf: "Das könnte an fehlenden Krippen- und Kindergartenplätzen liegen." Auch die Erkenntnisse des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe legen nahe, dass zu wenige Betreuungsmöglichkeiten ihre Arbeitssuche behindern. Die Experten des Instituts haben die Hartz-IV-Zahlen bis August 2007 untersucht. Ergebnis: Die Zahl der männlichen Alg-II-Empfänger sank binnen zwei Jahren um 17,4 Prozent, die der Frauen nur um 5,9 Prozent.

Tatsächlich hat zwar ein größerer Anteil einen Job gefunden, als es sich in diesen Zahlen widerspiegelt. Doch wer von seiner Arbeit nicht leben kann, bleibt als Alg-II-Empfänger registriert. Graf: "Die Zahl der Aufstocker, die zusätzlich Hartz IV bekommen, hat sich binnen zwei Jahren verdoppelt – sie stieg von 600.000 auf 1,2 Millionen Menschen." ( UMT )