Die Empfehlung gleich vorweg: Kaufen! Das Buch kommt auf dem Titel zwar alarmistisch daher (Letzte Chance für gute Schulen). Aber der Autor, der Bildungsökonom Ludger Wößmann , 34, nimmt darin angenehm sachlich das deutsche Schulsystem unter die Lupe.

Dabei räumt er mit vielen Mythen auf, die über die Schule im Umlauf sind. Früher war alles besser? Ein Irrtum, wie der Autor belegt. Schon 1964 und 1971 – also lange vor Pisa – machte Deutschland bei internationalen Schulvergleichsstudien keine gute Figur. Macht mehr Geld die Schulen besser? Nicht unbedingt, beweist der Autor anhand von Statistiken. Fördert die frühe Trennung der Kinder nach Begabung das Lernen? Auch hier lautet das Urteil des Autors: Nein. Wößmann teilt gleichermaßen nach links wie nach rechts aus.

Der Autor ist VWL-Professor an der Universität München und Bereichsleiter am angesehenen ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Für das Buch hat er mit wirtschaftswissenschaftlichen Methoden Daten der Pisa-Schulstudien neu analysiert. Seine Erkenntnisse spiegeln den aktuellen Stand der Forschung wider und werden, leider nicht die Regel bei Professoren, verständlich präsentiert. Das Buch endet, sehr sympathisch und anregend, mit einer Liste offener Fragen.

Ludger Wößmann möchte mit seinem Buch die bildungspolitische Debatte befördern; es ist zu wünschen, dass es gelingt. Ideologie ist ihm dabei ein Gräuel, er baut auf Fakten. Aus seiner Überzeugung macht er aber kein Hehl: Sein Herz schlägt für die Bildungsgerechtigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg unseres Landes.

Ein wenig hilflos führt der Autor Klage darüber, dass die Bildungspolitik sich zu wenig an Erkenntnissen der Wissenschaft orientiere. Lieber würde man von einem Ökonomen lesen, welche Anreize die Politiker so handeln lassen, wie sie handeln.
Thomas Kerstan

Ludger Wößmann: Letzte Chance für gute Schulen. ZS Verlag Zabert Sandmann, München 2007. 192 S., 16,95 Euro