So ein Buch gehört sich eigentlich nicht. Erstens schreibt man als Romancier nicht über den Literaturbetrieb, als gäbe es sonst nichts Interessantes auf der Welt. Zweitens ist es unhöflich gegen die Minimalvereinbarungen der Literatur, nicht das kleinste Fitzelchen Fiktion zu bemühen. Nicht einmal die Namen lebender Personen zu ändern, die Berliner Literaturagentin Karin Graf nicht wenigstens als Doris Fürst und den Kritiker Denis Scheck aus Köln als Dieter Schnell aus Hamburg auftreten zu lassen. Nein, in Thomas Glavinic’ neuem Roman mit dem (scheinbar) programmatischen Titel Das bin doch ich heißen sie Karin Graf und Denis Scheck. Das nennt man dann wohl einen 1:1-Roman. Der lässige, achselzuckende Nachfolger des klassischen Schlüsselromans. Kinder, sagt der 1:1-Roman, wir aus dem Literaturbetrieb wissen doch sowieso, wer gemeint ist. Michael Krüger ist Michael Krüger. Er ist der Chef des Hanser Verlages, in dem unter anderem die Bücher von Thomas Glavinic erscheinen. Also, was soll das literarische Drumherum.
Belletristik: Ohne ein Fitzelchen Fiktion
Thomas Glavinic hat einen Roman über den Literaturbetrieb geschrieben und treibt sich und seine Leser in einen lakonischen Irrwitz.