Seine Mutter war eine "Pleureuse", eine dieser professionellen Klagesängerinnen, die bei afrikanischen Beerdigungen hinter dem Sarg her- krauchen und im Falsettgesang den Verlust betrauern. Ihr Sohn lernte von ihr den hohen, melancholischen Ton, den Diskant mit seinem süßen Schmelz. Diese heimische Musik reicherte Papa Wemba mit E-Gitarren und Dancefloor-Elementen an und wurde so zu einem Miterfinder des "Soukous", des Rumba Rocks, jener Musik, die in den siebziger Jahren vom Kongo aus die Welt eroberte. Entstanden war sie, nachdem Präsident Mobuto die "Authenticité" ausrief, den westlichen Pop, Latino, Rhythm and Blues aus den Rundfunkstationen verbannte und einen lokalen Stil forderte. So entstand eine neue, tanzbare, panafrikanische Musik, die zum Ausdruck des Selbstbewusstseins der Jugend wurde, im Kongo und über ihn hinaus gut repräsentiert auf dem Sampler Kékélé (Sterns Music).

Als ich nach Kinshasa reiste, um den Paten dieser neuen Kultur zu treffen, fuhr er mich in der tiefgekühlten Mercedes-Limousine durch die vom Krieg gezeichnete Stadt, telefonierte dabei mit Paris, ließ sich Obst und Zeitungen in den Wagen reichen, und hörte pausenlos seine eigene Platte Molokai (Realworld). Manchmal winkte er auch in die nie abreißende Eskorte der Enthusiasten an der Straße, die vor Begeisterung fast seinen Wagen demolierten. Er genoss den Ruf eines mythischen Mannes oder Gurus, auch wegen jener flamboyanten Kleidung, die seine Konzerte zu modischen Ereignissen werden ließen und die zentralafrikanische Couture prägten.

Ich ging mit ihm in die Kirche, wo er als Knabe glockenhell von der Empore gesungen hatte, und jetzt zum Gottesdienst in Schlappen und Adidas-Anzug an den Altar trat, um den Witwen und Ausgemusterten zu sagen, sie alle könnten es schaffen, wenn sie es nur wollten.

Verstanden sie, was "Es" war? Verstand er es? Er werde, sagte Papa Wemba, eines Tages "auf der ganzen Welt explodieren".

Statt dessen wurde es ruhig um ihn, seit man ihn im Pariser Exil inhaftierte, weil er angeblich einen Schleuser-Ring unterhalten hatte.

Wenn ich heute aber Molokai auflege, dann sehe ich seine Tänzer wieder im Hinterhof üben, höre die Albino-Stimmen des Chors, spüre wieder die Befreiung, die diese Musik den Kriegspausen bescherte, und ich verstehe, warum man Papa Wemba den magic touch zuschrieb einen Ausdruck, der noch heute seine Autogrammkarten ziert.