Nur scheinbar haben diese zwei Aufreger nichts miteinander zu tun. Erstens: die Debatte über niedrige Nettoeinkommen im Land. Da reiht die Bild-Zeitung ein paar Zahlen aneinander und vergleicht zwei Jahre, die man nicht miteinander vergleichen kann (vor und nach der Wiedervereinigung) und schon streitet die Republik, warum die Arbeitnehmer weniger in der Tasche haben als vor 20 Jahren.

Der zweite Aufreger ist das Rekordhoch des Euro: Die Einheitswährung ist so teuer wie nie, das belastet die deutschen Exporte und gefährdet den Aufschwung. Europa spürt die Auswirkungen der US-Finanzkrise, die Aufwertung des Euro folgt aus dem Vertrauensverlust des Dollar. Doch Deutschland ist nicht vorbereitet. Jetzt rächt sich, dass die Regierung zuletzt nur darauf gesetzt hat, dass der Aufschwung dank kräftiger Exporte schon weitergehen werde. Eine Idee, wie man den Binnenkonsum anschiebt? Gibt es nicht.

Und das ist die Gemeinsamkeit der beiden Aufregerthemen: Wichtig wäre es jetzt nämlich, die Sozialbeiträge zu senken. Das stärkt die Nettoeinkommen der Beschäftigten, hilft der Binnennachfrage und macht den Aufschwung unabhängiger vom Export. Bei den Sozialbeiträgen gibt es keine Freibeträge wie bei der Einkommensteuer, sie werden schon auf den ersten verdienten Euro fällig. Entsprechend groß ist die Differenz zwischen brutto und netto bereits bei niedrigen Einkommen. Diese Lücke zu schließen hatte die Koalition bei Amtsantritt zwar versprochen, dann aber dafür nichts getan. Seltsam, dass sich darüber niemand aufregt.