Doch erst der Irak wurde zu einer wahren Goldmine für die Söldnerindustrie. Als der Krieg im März 2003 begann, war ein Mann Verteidigungsminister, der ein Ideologe des small footprint war, des Militäreinsatzes mit wenig Soldaten. Donald Rumsfeld wollte den Krieg, aber es sollten möglichst wenig Truppen eingesetzt werden. Die amerikanische Generalität war weitgehend anderer Meinung. Rumsfeld setzte sich darüber hinweg und verantwortete damit nach Auffassung vieler US-Generäle das Desaster im Irak. Die Gründe für Rumsfelds Sturheit sind ideologischer und politischer Natur. Ideologischer, weil Rumsfeld zu den Vertretern des Glaubens gehört, die Privatisierung sei die Lösung aller Probleme. Rumsfeld wollte im Irak einen Krieg führen, der die amerikanische Öffentlichkeit möglichst nicht direkt berührte. Nach Meinung vieler amerikanischer Konservativer ist der Vietnamkrieg schließlich nicht auf dem Schlachtfeld, sondern zu Hause verloren gegangen. Die Bevölkerung in der Heimat wollte die Opfer für diesen Krieg nicht mehr bringen. Je weniger echte Soldaten, desto geringer dieses "politische Risiko". Das ist Lehre aus Vietnam.

Die Söldner machten es möglich, Kriege zu führen, die man ohne sie entweder gar nicht oder auf ganz andere Weise geführt hätte. Wenn ein Söldner im Irak ums Leben kommt, gibt es kein großes Aufsehen, es sei denn, es geschieht unter außergewöhnlichen Umständen. Im Februar 2004 wurden vier Söldner von Blackwater in Falludscha gelyncht. Der Mob zerteilte die Körper und hängte sie auf einer Brücke auf. Die Bilder gingen um die Welt. Die Angehörigen der vier Opfer klagten gegen Blackwater. Der Fall wurde in den USA zu einer großen Geschichte. Im Normalfall aber sterben die Söldner im Stillen. 770 sind nach Berechnungen von Jeremy Scahill seit März 2003 im Irak ums Leben gekommen. Das Stille, Verschwiegene der privaten Sicherheitsfirmen gehört zu den "Wettbewerbsvorteilen" gegenüber einer regulären Armee.

"Nennen Sie mir eine wirklich erfolgreiche UN-Mission!"

Das ändert sich langsam, zu groß ist die Industrie geworden, zu oft gibt es schlechte Nachrichten über Söldner. Darauf haben diese Unternehmen reagiert. Sie haben einen Dachverband gegründet, die International Peace Operations Association (IPOA). Die Lobbygruppe bemüht sich nach Kräften, vom Image des Söldners wegzukommen. Vom Krieg zum Beispiel redet sie schon gar nicht mehr. "Wir sind im Friedensgeschäft, weil Frieden wichtig ist", heißt es bei IPOA. Die Unternehmen haben begriffen, dass selbst ihr Geschäft sich ohne ethische Etikette nicht gut verkaufen lässt: "Unsere Mitglieder gehören zu den professionellsten, fortgeschrittensten und ethischsten Unternehmen in diesem Industriezweig".

Moral aber ist nicht nur gut fürs Image, sondern schafft auch neue Märkte. Blackwater hält sich seit geraumer Zeit für das sudanesische Krisengebiet Darfur im Gespräch. Sollte es zu einer Intervention in der Region kommen, will Blackwater dabei sein. Sein Gründer Eric Prince hat die Sprache der humanitären Interventionisten schon völlig verinnerlicht. "Ich habe den Film Rwanda Hotel gesehen, und mir ist schlecht geworden. Und ich frage: Warum haben wir das zugelassen? Wir können beim nächsten Mal etwas machen, und zwar ohne große US-Intervention. Wir können eine multinationale Brigade stellen, die aus Professionellen besteht!" Prince ist der Spross einer steinreichen, stramm rechtskonservativen christlichen Familie mit besten Verbindungen nach Washington. Er weiß, dass er den Markt der humanitären Interventionen mächtigen Konkurrenten streitig machen muss. Über die UN sagte Prince im Januar 2006: "Nennen Sie mir eine wirklich erfolgreiche UN-Mission!"

Selbst die Nato ist aus Sicht von Blackwater eine Konkurrentin, die man gerne aus dem Markt drängen würde, wenigstens zum Teil. Cofer Black, Vizepräsident von Blackwater, sagte: "Wir haben das Potenzial, Sicherheitsoperationen für einen Bruchteil der Kosten einer Nato-Operation durchzuführen." Und wem das einen Schauer über den Rücken laufen lässt, den beruhigen die Söldner mit Verweis auf die amerikanische Geschichte. Die IPOA lässt wissen: "Das ist alles nichts Neues. Auch George Washington hatte Söldner!"