Die Tatarenprinzessin glänzt mit gut frisierter Mähne, enger Taille, großem Dekolleté und kann schön böse gucken. Susan Hayward gab 1956 in Dick Powells Breitwandepos Der Eroberer alles, was sie zuvor im Film Noir an mondäner Verschlagenheit gelernt hatte. Die mythische Weltgeschichte war zu jenem Zeitpunkt fast komplett in Cinemascope und Farbe nacherzählt worden was noch fehlte, war die große Macho-Story des Mongolenfürsten Dschingis Khan.

Im Kalten Krieg war das eine pikante Fantasie, denn dieser Eroberer hatte den slawischen Völkern mit seinen Reitern Angst und Schrecken eingejagt. Was lag näher, als gegen die Historie ein Lob auf den charismatischen Sieger anzustimmen und es als Vehikel für John Wayne zu nutzen? Howard Hughes, der exzentrische Produzent und Überflieger, kaufte also ein Drehbuch ein, das den Ruhm des edlen Barbaren Temujin, aus dem später Dschingis Khan werden sollte, nach allen Regeln von Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung erzählt. Das musste John Wayne gefallen. Er tat einfach, was er auch im Western tat: reiten, schräge Blicke werfen, kantige Sätze sagen. Tollkühne Ritte an steilen Hängen hinab sind denn auch die besten Blickfänge des Films.

Mit dem historischen Helden-Image bepackt, war Waynes Sieg über Susan Haywards Weiblichkeit programmiert. Der Held erobert die garstige Tatarenprinzessin, das Faustpfand eines Stammesbündnisses und Symbol seiner bevorstehenden Eroberungen. Wie durch ein Wunder liebt Hayward ihn am Ende für seine Grobheit.

Der Eroberer wurde ein Big-Budget-Fiasko. Wirklich tragisch aber war etwas anderes. Die Filmcrew wurde ein echtes Opfer des überheblich-naiven Abenteurertums, das sie eigentlich nur spielen sollte. Im Bonusmaterial zur DVD wird dokumentiert, wie Howard Hughes die Wüste Gobi in Utah hatte inszenieren lassen. Der Wind blies aus Westen radioaktiven Staub von oberirdischen Atomversuchen auf den Filmset. Die Krebstode von John Wayne und Susan Hayward, Regisseur Powell und einem Drittel aller Beteiligten werden heute damit in Verbindung gebracht.

Dick Powell: Der Eroberer

USA 1956, 1 DVD, 107 Min., Beiheft und Bonusmaterial mit dem TV-Beitrag Ein Film und seine Folgen - Koch Media