Es war eine reine Bauchentscheidung: Seit der Korrektur im August liefen die Kurse wieder gut. Warum sollten sie das in den nächsten Tagen nicht weiterhin tun? So fand der Finger schnell den Weg zur Ordertaste. Ziemlich schnell. Und schon lagen 1000 Futurezertifikate auf den Dax im Depot, sogenannte Mini-Futures. Es sollte nur für sieben Tage sein. Nur um zu sehen, wie sich der Besitz von Hebelpapieren anfühlt. Danach würden sie verkauft, versprochen! Es war der Beginn einer aufregenden Woche. Die Papiere kosteten vier Euro pro Stück. Das Nervenflattern gab es gratis dazu.

Zwei Tage lang fielen die Mini-Futures. Die Website der Bank zählte in dieser Zeit so viele Seitenaufrufe wie nie zuvor, jedenfalls von ihrem unruhigsten Neuanleger. Denn schon ein größerer Ausrutscher des Aktienindex nach unten, ähnlich wie vor ein paar Wochen, und die Papiere hätten nicht nur im Gleichlauf mit dem Dax an Wert verloren, sie wären wertlos verfallen. Das ist das Prinzip der Hebelpapiere. Und das macht die Wettenden so kribbelig, dass sie alle paar Minuten oder wenigstens alle paar Stunden den Depotstand kontrollieren.

Wer in das Geschäft mit solchen Hebelpapieren einsteigt, muss nur einen verhältnismäßig kleinen Einsatz aufbringen. Die Papiere kosten ihn nämlich nur einen Bruchteil dessen, was er für die entsprechenden Aktien oder Wertpapiere bezahlen müsste. Zudem kann er sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen. Wettet er auf steigende Kurse und klettert der Basiswert neben Aktien können das auch Anleihen, Indizes oder Rohstoffe sein tatsächlich, kann großes Geld dabei herauskommen. Der sogenannte Hebel dieser Papiere bewirkt, dass sich schon bei geringer Kurssteigerung der Gewinn vervielfacht. Sinken die Kurse jedoch, kann schnell der komplette Einsatz verloren sein.

Bei manchen Papieren droht sogar eine Nachschusspflicht, wenn der Kurs eine bestimmte Marke durchbricht. Damit potenzieren sich statt der Gewinne dann die Verluste.

Deshalb warnen Experten wie Dieter Lendle, Vorstand des Deutschen Derivate Instituts (DDI), neben dem Derivate Forum einer der beiden Lobbyorganisationen für solche Finanzprodukte: "Völlig ahnungslos sollte man diesen Markt nicht betreten, dazu sind diese Produkte zu gefährlich."

Wenn der Markt stark schwankt, steigen die Chancen

Die Hebel lassen sich aber auch clever ausnutzen: "Wer ein Hebelpapier für zehn Euro kauft, anstatt eine Aktie für 100 Euro, kann die übrigen 90 Euro sicher anlegen, etwa auf einem Termingeldkonto", erläutert Lendle. Er habe dann viel Sicherheit und trotzdem die Chance auf eine anständige Rendite. Wer allerdings die kompletten 100 Euro in Hebelpapiere steckt, der spekuliere auch mit dem zehnfachen Risiko.