Und der General rächte sich dafür. Hunderte von ihnen ließ er verhaften, manche foltern. Ne Win trennte nicht nur den Staat vom Buddhismus, er verbot auch oppositionelle Parteien. Und schuf damit selbst die Allianz, die ihn beinahe zu Fall bringen sollte: Mönche und Studenten verbündeten sich gegen ihn. Ne Win hatte ein reiches Land übernommen und es in 26-jähriger Regierungszeit in die Armut geführt. Schon lange kauften die Menschen nur noch auf dem Schwarzmarkt.

Ne Win reagierte radikal. Am 5. September 1987 ließ er die Banknoten von 25, 35 und 75 Kyat entwerten – ersatzlos. Mit einem Schlag verlor die Bevölkerung 60 bis 80 Prozent ihres Vermögens. Der Diktator führte neue Geldscheine im Wert von 45 und 90 Kyat ein. Eigenartige Werte? Nicht für Ne Win. Wie sein Nachfolger Than Shwe glaubte auch er an die Wahrsagerei. Die Neun war seine Glückszahl, und so schuf er zwei Geldscheine, die sich durch neun teilen ließen. Durch diese Rochade, davon war Ne Win überzeugt, würde er 90 Jahre alt werden. Ne Win ist nicht der Einzige, der an Numerologie glaubt. Auch die Opposition tut das. Viele Oppositionelle versuchten, die böse Magie der Neun mit der guten Magie der Acht auszutreiben.

Zehntausende gingen auf die Straße und forderten Demokratie, an der Spitze Studenten und Mönche. Aung San Suu Kyi gründete die National League for Democracy (NLD), die Demonstrationen wurden zur Volksbewegung. Bis die Soldaten schossen. Am 8. August 1988 kam es zum Blutbad. 3000 Studenten soll die Armee erschossen haben, manche Quellen sprechen von 600 toten Mönchen. Menschen wurden verschleppt, Klöster gestürmt, viele Mönche verhaftet. Und doch ließen sich die Generäle überraschenderweise auf Drängen der Mönche auf Wahlen ein, im Mai 1990. Sie wurden böse überrascht.

Überall meinten die Gläubigen weinende Buddhastatuen zu sehen

Aung San Suu Kyis NLD holte 65 Prozent der Stimmen. Die Generäle dachten gar nicht daran, die Wahl anzuerkennen. Ein Verstoß gegen den Willen Buddhas, glaubten die Menschen. Im ganzen Land meinten die Gläubigen weinende Buddhastatuen zu sehen. Andere behaupteten, den Statuen sei die linke Brust geschwollen. Das Signal war klar: Die nächste Führerin sollte eine Frau sein – Aung San Suu Kyi.

Die Generäle weigerten sich beharrlich, die erste Parlamentssitzung einzuberufen – die Mönche griffen zum letzten Mittel. Sie riefen zum ersten großen Klösterboykott in der Geschichte des Landes auf. 7000 Mönche in Mandalay drehten ihre Almosenschalen um. Fortan wollten sie keine Spenden der Mächtigen mehr annehmen. Sollten sie doch sehen, wie sie weiterkämen im nächsten Leben. Denn ohne Almosen schwindet die Hoffnung auf eine bessere Wiedergeburt. Die Generäle ließen Mönche aus Thailand kommen. Wieder schlugen sie die Proteste mit aller Gewalt nieder. Die gewählte Regierung flüchtete ins Exil, Aung San Suu Kyi wurde unter Hausarrest gestellt. Die alte Gewalt, die alte Willkür. Und doch änderte sich etwas.

Die Generäle spürten den Verlust der Legitimität. Alles, worauf sie ihre Herrschaft gegründet hatten, war verloren. Ihren Helden Aung San hatte ihnen dessen Tochter Aung San Suu Kyi entwunden. Nun sprach sie in seinem Namen, als Aushängeschild der Junta hatte er ausgedient. Und auch die Mönche hatten sich von den Militärs abgewandt. Die Generäle reagierten mit der Säuberung ihres Gründungsmythos. Sie tilgten Aung San aus ihren Reden, ihrem kollektiven Gedächtnis. Nun schmeicheln sie den Mönchen, nun huldigen Zeitungen und Fernsehen dem Buddhismus und können nicht oft genug die buddhistische Güte des Regimes loben. Damit ist es nicht weit her. Die Junta wirtschaftet vor allem in die eigene Tasche. Alle lukrativen Rohstoff- und Devisengeschäfte fließen durch Armeefirmen. Die Moderne wird für die meisten Birmanen zur voyeuristischen Erfahrung. Manche fahren in den Kaufhäusern den ganzen Tag im Aufzug auf und ab, um all die schönen Dinge zu sehen, die sie sich selbst nie leisten könnten.