Viertens werden viele Regimes durch schieres Unterlassen denkmalpflegerisch tätig. Sie bewahren das Alte (weil für Neues das Geld fehlt) und das Landestypische (weil die Bevölkerung von der internationalen Entwicklung abgeschottet wird). So kommen die beliebten Oldtimer nach Havanna. Und nichts anderes ist auch gemeint, wenn es in den Prospekten um das »unberührte«, »ursprüngliche« Birma geht.

Gerade Kulturreisende sind empfänglich für den Reiz des Autoritären. Es ist aufregend, Orte zu erkunden, wo es noch kein Starbucks gibt. Wo die Kinder einen anstarren wie einen Marsmenschen. Reich zu sein. Die Lebenskunst der Einheimischen zu bewundern. Sich auszumalen, wie es auch bei uns einmal aussah – vor der Industrialisierung. Über das Imponiergehabe der Staatsmacht zu lachen. Man ist ja nur bei ihr zu Gast und bald wieder glücklich daheim.

Ist das verwerflich? Nein, das ist reisen. Das Fremde suchen. Schönes erleben, das man nicht festhalten, und Schlimmes, das man nicht ändern kann. Neu ist nur, dass die Weltreisenden unserer Tage kaum mehr fürchten müssen, das Schicksal der Einheimischen zu teilen. Denn einer Sache nützt der Tourismus in Diktaturen doch: dem nachfolgenden Tourismus. Er befestigt die Korridore, auf denen wir uns relativ sicher bewegen. Selbst dort, wo scheinbar wahllos geschossen wird, gerät kaum je ein Tourist zwischen die Fronten. Auch die Soldaten in Birma, die außer vielen ihrer Landsleute nun wohl auch einen japanischen Pressefotografen auf dem Gewissen haben, sind offenbar auf das Wohl ihrer Urlauber bedacht. Versuchen wir, darin einen Fortschritt zu sehen.